• Es ist zwar richtig, dass der Anteil des Niedriglohnsektors am gesamten Arbeitsmarkt angestiegen ist. Allerdings sind im Niedriglohnsektor viele Jobs für Menschen entstanden, die vorher keine Chance am Arbeitsmarkt hatten. Die zusätzliche Beschäftigung im Niedriglohnbereich verdrängte entsprechend nicht besser bezahlte Beschäftigungsverhältnisse. Denn diese konnten anteilsmäßig ebenfalls zulegen.
  • Nur 17 Prozent der Niedriglohnbezieher sind gleichzeitig auch arm. Die Zahl der vollzeitbeschäftigten Aufstocker, also der Arbeitnehmer, die ihren Lohn mit Arbeitslosengeld II ergänzen müssen, nimmt außerdem beständig ab. Nur 290.000 Vollzeitbeschäftigte müssen momentan beim Job-Center Unterstützung beantragen. Das sind 1,4 Prozent der Vollzeitbeschäftigten insgesamt und 50.000 weniger als noch vor vier Jahren.
  • Auch Befristungen und Mini-Jobs nehmen – anders als im New-Economy-Boom der Jahre 1998 bis 2000 – keineswegs immer weiter zu. Vielmehr bleibt die Anzahl beider Beschäftigungsformen stabil. Im Umkehrschluss bedeutet das: Zum Beschäftigungsaufbau der vergangenen Jahre haben weder Mini-Jobs noch befristete Beschäftigungsverhältnisse etwas beigetragen.
  • Die Zeitarbeit wächst im Trend tatsächlich an. Doch es gibt keinen Grund, Zeitarbeit als minderwertige, prekäre Beschäftigung anzusehen. Zeitarbeitnehmer sind vollwertige Arbeitnehmer, überwiegend sozialversicherungspflichtig und unbefristet vollzeitbeschäftigt, mit den gleichen Rechten etwa des Kündigungsschutzgesetzes oder des Teilzeit- und Befristungsgesetzes wie Arbeitnehmer in anderen Branchen.

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Nebenjob
IW-Nachricht, 13. Oktober 2017

Holger Schäfer Nebenerwerbstätigkeit: Kein Indiz für ArmutArrow

3,2 Millionen Menschen in Deutschland gehen zusätzlich zu ihrem Hauptjob einer Nebenbeschäftigung nach – rund eine Million mehr als vor zehn Jahren. Das geht aus einer Antwort der Bundesagentur für Arbeit auf eine Anfrage der Linken hervor. Ein Grund zur Aufregung ist das aber nicht: Nebenjobber sind sogar oft sozial besser gestellt als andere Beschäftigte. mehr

Digitaler Wandel: Keine Ausweitung flexibler Beschäftigungsformen
IW-Kurzbericht, 7. September 2017

Oliver Stettes Digitaler Wandel: Keine Ausweitung flexibler Beschäftigungsformen Arrow

Ein spürbarer Wachstumsimpuls der Digitalisierung auf die Verbreitung flexibler Beschäftigungsformen ist nicht zu erwarten. Arbeiten in einem Umfeld 4.0 ist sowohl in Deutschland als auch in der Europäischen Union insgesamt unabhängig davon, ob der eigene Arbeitsvertrag befristet ist oder mit einem Zeitarbeitsunternehmen geschlossen wurde. mehr