100 Tage Mindestlohn Image
Quelle: Christian Müller – Fotolia

Die Spannbreite der Schätzungen über mögliche Arbeitsplatzverluste war von vorneherein groß. Sie reichte von einigen Zehntausend bis zu über einer Million. Die aktuelle Arbeitsmarktentwicklung spricht dafür, dass die konservativen Schätzungen realistischer waren. Bislang ist allerdings noch nicht einmal klar, wie viele Personen überhaupt vom Mindestlohn betroffen sind – die Schätzungen reichen von 3 bis zu 4,6 Millionen Personen. Für eine verlässliche Bestandsaufnahme der Beschäftigungswirkungen ist es daher noch viel zu früh.

Hinzu kommt: Ökonomische Transformationsprozesse laufen langsam ab und sind vielfältig. Im Taxigewerbe etwa haben die Unternehmen reagiert, indem sie die Preise massiv erhöht haben. Doch bis diese Preissteigerungen auf die Nachfrage nach Taxifahrten durchschlagen und dann als Zweitrundeneffekt zu einem Beschäftigungsabbau führen, wird es wohl noch dauern.

In vielen kleinen Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben kann sich indes einfach die Beschäftigungsform verändern: Aus ehemals Angestellten werden plötzlich Selbstständige. Auch diese Strukturverschiebung kann durchaus verzögert eintreten.

Denkbar ist außerdem, dass Firmen ihre höheren Lohnkosten dadurch ausgleichen, dass Sonderzahlungen gekürzt oder gestrichen werden – auch bei Beschäftigungsgruppen, die vom Mindestlohn gar nicht getroffen werden.

Ansprechpartner

Nebenjob
IW-Nachricht, 13. Oktober 2017

Holger Schäfer Nebenerwerbstätigkeit: Kein Indiz für ArmutArrow

3,2 Millionen Menschen in Deutschland gehen zusätzlich zu ihrem Hauptjob einer Nebenbeschäftigung nach – rund eine Million mehr als vor zehn Jahren. Das geht aus einer Antwort der Bundesagentur für Arbeit auf eine Anfrage der Linken hervor. Ein Grund zur Aufregung ist das aber nicht: Nebenjobber sind sogar oft sozial besser gestellt als andere Beschäftigte. mehr

Digitaler Wandel: Keine Ausweitung flexibler Beschäftigungsformen
IW-Kurzbericht, 7. September 2017

Oliver Stettes Digitaler Wandel: Keine Ausweitung flexibler Beschäftigungsformen Arrow

Ein spürbarer Wachstumsimpuls der Digitalisierung auf die Verbreitung flexibler Beschäftigungsformen ist nicht zu erwarten. Arbeiten in einem Umfeld 4.0 ist sowohl in Deutschland als auch in der Europäischen Union insgesamt unabhängig davon, ob der eigene Arbeitsvertrag befristet ist oder mit einem Zeitarbeitsunternehmen geschlossen wurde. mehr