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Michael Hüther in der Superillu Interview 11. Mai 2010

Wie sind die Griechen zum Euro gekommen?

Fragen und Antworten zur Beinahe-Pleite Griechenlands, zur deutschen 22,4-Milliarden-Hilfe und zur Zukunft des Euro – beantwortet von Wirtschaftsforscher Prof. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

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Wie sind die Griechen überhaupt zum Euro gekommen?

Weil der Europäische Rat beim EU-Gipfel im Juni 2000 die Griechen in die Währungsunion aufnahm, obwohl ihr Schuldenstand mit 104,4Prozent des BIP die erlaubten 60Prozent überschritt. Die Statistik-Fälschungen Athens waren damals noch nicht bekannt. Rot-Grün begrüßte die Aufnahme Griechenlands uneingeschränkt; die CDU stimmte im Europa-Parlament zu, enthielt sich jedoch im Bundestag.

Was passiert, wenn wir den Griechen nicht helfen?

Dann müsste Griechenland den Schuldendienst einstellen und mit den Gläubigern über ein Schuldenmoratorium verhandeln– mit dem Ziel einer Halbierung der Verbindlichkeiten. So alternativlos, wie von der Politik dargestellt,ist die Finanzhilfe jedenfalls nicht: Griechenland ist klein, trägt nur 2,5Prozent zur Wirtschaftskraft der Europäischen Währungsunion bei. Hätte man es auf eine Staatspleite ankommen lassen, wäre es zwar zu Verwerfungen gekommen. Aber ein systemisches Risiko ähnlich wie bei der Lehman-Brothers Pleite hat nie bestanden.

Können wir den Griechen den Euro wegnehmen?

Nein, vertraglich nicht vorgesehen.

Und wenn die Griechen freiwillig vom Euro lassen?

Möglich, aber unwahrscheinlich, weil sie vom Regen in die Traufe kämen: Sie könnten zwar zur Drachme zurückkehren und diese abwerten, wären aber trotzdem pleite, müssten umschulden. Ich bezweifle auch, dass die Griechen mit einer weichen Drachme ihre Wirtschaft besser sanieren könnten. Das Beispiel Italien zu Lira-Zeiten zeigt, dass Abwertungen allenfalls kurzfristig für eine Atempause sorgen, aber die Wettbewerbsfähigkeit auf Dauer nicht verbessern.

Was passiert, wenn die Regierung in Athen stürzt, der Sparkurs scheitert?

Sollten die Griechen die nötige Rosskur verweigern, läuft es zwangsläufig auf eine Umschuldung hinaus. Dann können die Gläubiger ihre Forderungen mit weit mehr als 50Prozent abschreiben. Immerhin: Die sukzessive Auszahlung der europäischen Kredithilfen (allein auf Deutschland entfallen 22,4 Mrd. Euro bis 2012) ist daran gekoppelt, dass der IWF den Griechen Reformfortschritte bescheinigt.

Müssen wir bald auch den Portugiesen oder Spaniern helfen?

Ein Flächenbrand ist nicht zwangsläufig. Die Wirtschaft in Portugal und Spanien ist zwar auch nicht von höchster Wettbewerbsfähigkeit gekennzeichnet, aber Steuersystem und Staat sind grundsätzlich intakt – im Gegensatz zu Griechenland.

Droht der Euro jetzt weich zu werden?

Die Kursverluste des Euro gegen­über dem Dollar sind ein Zeichen der Skepsis der Märkte. Griechenland allein sei aber noch keine Gefahr für den Euro. Kritisch werde es hingegen, wenn die Eurozone sich zur Transferunion entwickelte, die Mitgliedsstaaten die Haushaltsdisziplin weiter schleifen ließen.

Würden wir mit der Rückkehr zur D-Mark nicht besser fahren?

Nein. Deutschland hat in den letzten zehn Jahren vom Euro stark profitiert – Stichwort Wechselkursstabilität. Man solle den Euro nicht verteufeln – allenfalls die Art und Weise, mit der die europäischen Regierungen damit umgegangen sind. Wichtig ist, dass alle Euro-Staaten eine Schuldenbremse nach deutschem Vorbild einführen – und sich dann auch daran halten.

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