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Interview 3. März 2026 Samina Sultan im Kölner Stadt-Anzeiger

Krieg im Nahen Osten: „Verbraucher sollten einen kühlen Kopf bewahren“

Über die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs und seine Auswirkungen spricht IW-Handelsexpertin Samina Sultan im Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger. Entscheidend sei, wie lange die Konfrontation andauert.

Frau Sultan, die Krise im Nahen Osten lässt die Öl- und Gaspreise rasant steigen. Nur eine Panik-Reaktion oder ist der Effekt von Dauer?

Es passieren zwar 20 Prozent der globalen Öl- und Gasfördermenge die Meerenge von Hormus, die Abnehmer befinden sich aber überwiegend in Asien. In Europa sind wird dadurch vor allem indirekt über die gestiegenen Weltmarktpreise betroffen. Der Anstieg hier spiegelt die Verunsicherung der Verbraucher wider. Viele füllen ihre Tanks auf. Die größere Nachfrage lässt dann die Preise steigen, obwohl es derzeit keine tatsächliche Knappheit gibt.

Kann der Ausfall von einem Fünftel der Produktion kompensiert werden?

Vor dem Ausbruch des Krieges gab es ein Überangebot bei Öl und Gas. Länder wie Saudi-Arabien verfügen darüber hinaus über die Möglichkeit, ihre Produktion auszuweiten und haben das im Rahmen der Opec auch schon angekündigt. Zuletzt sind da noch strategische Reserven, die freigegeben werden könnten, um zeitweise Engpässe zu überbrücken.

Wie unterscheiden sich die ökonomischen Auswirkungen von Ukraine-Krieg und Iran-Krieg?

Die beiden Konflikte lassen sich nur schwer miteinander vergleichen. Der Ukraine-Krieg dauert nun schon vier Jahre, die Angriffe auf den Iran erst wenige Tage. Der Ukraine-Krieg hat sich allein schon wegen der geographischen Nähe  viel unmittelbarer auf Deutschland ausgewirkt. Während deutsche Unternehmen in der Ukraine und in Russland aktiv waren, war der Iran schon vor Kriegsbeginn durch Sanktionen wirtschaftlich isoliert. Was die Lage im Iran gefährlich macht, ist dass sie sich zu einem Flächenbrand ausweiten könnte.

Der Iran war schon vor Kriegsbeginn durch Sanktionen wirtschaftlich isoliert.

Hat der Ausbau der Erneuerbaren die Abhängigkeit reduziert?

Ja, Deutschland ist nicht mehr – wie noch zu Zeiten der Ölpreiskrise 1973 – so stark vom Ölimport abhängig. Grüne Energie, die vor Ort produziert wird, macht das Land resilienter. Auch unser Flüssiggas beziehen wir hauptsächlich aus den USA und Norwegen. Es gibt allerdings Industrien, die auf Gas und Öl als Ausgangsstoffe für ihre Produktion angewiesen sind.

Damit wäre die Chemieregion Köln besonders betroffen?

In Köln gibt es beides, Industrie und Dienstleister. Deswegen ist die Region unterschiedlich betroffen. Die energieintensiven Branchen wie etwa die Chemie stärker als andere.

In welchem Umfang profitiert Russland vom Iran-Krieg und dem Anstieg der Energiepreise?

Russische Zeitungen vermeldeten tatsächlich unter Berufung auf Experten, dass höhere Energiepreise die Staatseinnahmen steigen lassen. Voraussetzung ist allerdings, dass der Krieg wenigstens zwei Monate andauert. Das ist plausibel, wenn Indien und China wieder vermehrt auf russische Lieferungen zurückgreifen müssen. Beim Öl hat Indien auf US-Druck ja zuletzt teilweise darauf verzichtet.

Welche Folgen hat es, dass Frachtschiffe das Horn von Afrika nun umfahren müssen?

Die Charterraten auf der Golfroute sind auf Rekordhöhe gestiegen. Treiber sind hier die Versicherungskosten. Die höheren Frachtkosten wirken sich wiederum auf die Inflation hierzulande aus.

Wie können Verbraucher reagieren?

Es gilt, erst einmal einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht in Panik zu verfallen. Eventuell lohnt es sich, noch einmal Öl zu tanken oder den Urlaub nicht zwingend in der betroffenen Region zu buchen. Es gibt aber keinen Grund, die Anlagestrategie in Aktien panisch über den Haufen zu werfen oder Anschaffungen aus Angst vor Mangel oder Inflation vorzuziehen.

Müssen wir die jüngsten Hoffnungen auf eine Konjunkturerholung in Deutschland wieder begraben?

Für einen Abgesang auf den erhofften Aufschwung ist es noch zu früh. Natürlich wird es möglicherweise Preissteigerungen geben, auf die die Notenbanken mit Zinsanhebungen reagieren würden. Das verteuert dann wieder Investitionen. Zunächst sollten wir aber hoffen, dass der Konflikt regional und zeitlich begrenz bleibt. Geschieht das, halten sich auch die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft in Grenzen.

Zum Interview auf ksta.de
 

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