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Oliver Koppel auf tagesschau.de Interview 13. Juli 2012

"Die mobilste Gruppe sind die Rentner"

Bundesbildungsministerin Schavan will spanische Jugendliche als Azubis nach Deutschland holen - und damit auch den Fachkräftemangel hierzulande lindern. Im Gespräch mit tagesschau.de warnt Oliver Koppel vom Institut der deutschen Wirtschaft vor zu hohen Erwartungen: Nur wenige Menschen seien bereit, die Heimat zu verlassen.

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Warum fühlt sich Bundesbildungsministerin Schavan für den spanischen Arbeitsmarkt verantwortlich?

Ich glaube, die Ministerin sieht erst mal die Chancen, die für den deutschen Arbeitsmarkt bestehen. Es ist so, dass wir in Spanien eine Jugendarbeitslosigkeit von 50 Prozent haben. In Deutschland liegt sie bei nur fünf Prozent - das ist faktisch Vollbeschäftigung. Das heißt, hier gibt es unbesetzte Lehrstellen. Und in Spanien gibt es geeignete Kandidaten dafür. Auf kurze Sicht ist es durchaus sinnvoll, dass man versucht, dieses Arbeitsmarkt-Potenzial für Deutschland zu gewinnen.

Wie könnte denn die Umsetzung der Ideen von Frau Schavan aussehen?

Ich denke, da muss man zwischen der kurz- und der langfristigen Perspektive unterscheiden. Kurzfristig ist es auf jeden Fall eine Möglichkeit, spanische Auszubildende in deutsche Unternehmen zu holen und sie hier Berufserfahrung sammeln zu lassen. Danach könnten sie heimkehren und hätten dank ihrer guten Ausbildung eine deutlich verbesserte Chance auf dem Arbeitsmarkt.

Langfristig aber kann die Idee nur darin bestehen, dass man in Spanien die Ausbildungsmöglichkeiten verbessert. Ich setze da auf die Einführung eines Systems nach deutschem Muster: eine duale Ausbildung, die extrem gut qualifizierte Absolventen hervorbringt, mit denen dann auch die Unternehmen sehr zufrieden sind.

Die Pläne hören sich durchaus einleuchtend an. Aber sind denn die jungen Menschen in Spanien auch bereit, ihre Heimat zu verlassen?

Wenn, dann sind die Chancen jetzt gegeben. Der spanische Arbeitsmarkt steht leider sehr unter Druck. Und hier in Deutschland gibt es die Möglichkeiten, Ausbildungsstellen zu besetzen. Aus Erfahrung wissen wir, dass die Migrationsbereitschaft in Europa sehr begrenzt ist. Nur etwa zwei Prozent aller Europäer leben außerhalb ihres Geburtslandes - und die mobilste Gruppe sind dabei noch die Rentner. Erwerbstätige sind im europäischen Kontext eher immobil. Riesige Potenziale sehe ich da also noch nicht wirklich, aber es ist trotzdem eine gute Idee. Man kann Mobilität ja auch versuchen zu fördern.

tagesschau.de: Diese deutsch-spanische Kooperation - wenn sie denn kommt - könnte die auch Vorbild für andere europäische Länder sein?

Sicher! Andere Länder könnten sich das System der dualen Berufsausbildung zum Vorbild nehmen. Das muss nicht eins zu eins umgesetzt werden. Aber die Jugendlichen sehr betriebsnah auszubilden, sie mit guten Kompetenzen auszustatten, sodass sie in der heimischen Wirtschaft ihren Beitrag leisten können und auch Perspektiven am Arbeitsmarkt haben, das halte ich für ein absolut sinnvolles System. Deutschland hat speziell mit dem System der dualen Ausbildung sehr, sehr gute Erfahrungen gemacht.

Das deutsche Konzept genießt ja auch einen guten Ruf. Inwiefern könnten Ansätze denn übernommen werden?

Das passiert zum Teil schon. Insbesondere deutsche Unternehmen mit Niederlassungen im Ausland führen das duale Ausbildungssystem dort bereits ein. Zwar hält sich die Zahl der Fälle noch in Grenzen, speziell in Spanien hat man damit aber sehr gute Erfahrungen gemacht. Im Umkehrschluss gilt das auch für die spanischen Jugendlichen, die bei einem deutschen Konzern eine Ausbildung machen. Sie sind später klar im Vorteil auf dem Arbeitsmarkt.

Zum Interview auf tagesschau.de

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