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Michael Voigtländer auf Zeit Online Interview 17. September 2018

Bezahlbarer Wohnraum: „Für viele geht es um die Existenz”

In München steigen Mieten und Immobilienpreise seit Jahren. Die Mieten fangen bei 17 Euro an und liegen bei Neubauten oft bei 25 Euro pro Quadratmeter. Wie konnte es so weit kommen? Michael Voigtländer, Immobilienforscher im Institut der deutschen Wirtschaft, gibt Antworten im Interview mit Zeit Online.

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Herr Voigtländer, was empfehlen Sie gegen die Wohnungsknappheit?

Wir müssen mehr Bauflächen schaffen, alles andere wird nicht helfen. Und dazu müssen die Städte aktiv werden. Wir müssen bauen, bauen, bauen.

In München entstehen viele Vierzimmerwohnungen – für 800.000 Euro aufwärts oder 2.000 Euro Miete.

Es werden tatsächlich eher größere Wohnungen gebaut, weil die Margen dabei für die Bauträger attraktiver sind. Das ist wie beim Auto: Bei Kleinwagen und Mittelklasseautos verdienen die Hersteller über die Menge. Bei großen Autos packen sie einfach mehr Luxusausstattung und Ledersitze hinein und verdienen dann über die höhere Marge mehr Geld.

Könnten die Städte da nicht mehr eingreifen?

Natürlich können sie das steuern, indem sie sagen: Ich habe hier ein Areal und möchte, dass vorwiegend Zwei- und Dreizimmerwohnungen darauf entstehen. Das wird aber zu wenig gemacht. In Hamburg passiert es, dort ist das Wohnungsproblem entsprechend kleiner.

In München müssen mindestens 30 Prozent der Wohnungen in einem Neubauprojekt geförderte Wohnungen sein mit geringeren Mieten. Werden die nicht dadurch quersubventioniert, dass man die übrigen 70 Prozent Wohnungen entsprechend teurer anbietet?

Die Gefahr besteht natürlich. Bei vielen solcher Programme haben die Städte auch nachgebessert. Neubau ist prinzipiell nur schwer günstig zu realisieren. Aber nur durch den Neubau werden günstigere Wohnungen frei.

Das funktioniert oft nicht: Wenn Mieter ausziehen, wird teuer saniert, und Neumieter zahlen 30 bis 50 Prozent mehr als ihre Vorgänger.

Wenn man keinen Neubau schaffen würde, wäre der Druck noch größer. Die Preise gehen erst wieder herunter, wenn sich Angebot und Nachfrage wieder auf einem Niveau einpendeln. Aber dazu bräuchte es Bürgermeister, die Visionen haben und sagen: Wir bauen eine Entlastungsstadt oder riesige neue Viertel für Zehntausende Bewohner – auch wenn erst ihre politischen Nachfolger die Früchte davon ernten.

Welche kurzfristige Lösung hätten Sie als Ökonom?

Ich würde es übers Wohngeld lösen. Die Stadt könnte all jenen Zuschüsse zahlen, die hohe Wohnkosten im Vergleich zu ihren Einkommen haben. Das sorgt für mehr Verteilungsgerechtigkeit.

Wäre das nicht eine dauerhafte Subvention?

Am besten würde man sie nur mittelfristig gewähren, solange das Wohnungsangebot nicht ausreicht. Wir müssen auch erreichen, dass wieder mehr Menschen in ihren Heimatregionen bleiben. Zum Beispiel, indem wir bessere Bahnverbindungen schaffen, dann könnten Rosenheimer und Landsberger leichter nach München pendeln. Das gilt auch für das Ruhrgebiet: Da gibt es viele strukturstarke und -schwache Städte nebeneinander. Und wir müssen mehr Arbeitsplätze in ländlichen Regionen schaffen und dort den Breitbandausbau vorantreiben. Dann müssten viele gar nicht erst in die Metropolen ziehen. Denn insgesamt ist ja genug Wohnraum da – nur nicht in den Städten, sondern woanders.

Zum Interview auf zeit.de

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