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IW-Direktor Michael Hüther
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Michael Hüther auf Focus Online Interview 2. November 2020

Corona-Maßnahmen: „Wir können nicht alle paar Monate Gesellschaft und Wirtschaft herunterfahren”

Im Interview mit Focus Online fordert IW-Direktor Michael Hüther eine politische Strategie für die mittlere Sicht. Schließlich könne man nicht alle paar Monate Gesellschaft und Wirtschaft herunterfahren.

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Wie bewerten Sie die geplanten Finanzhilfen an die betroffenen Unternehmen?

Wenn der Staat den Geschäftsbetrieb untersagt, dann ist er auch in der Pflicht, die Folgen zu kompensieren. Zudem gilt, dass die betroffenen Bereiche bisher schon besonders betroffen waren und das Eigenkapital angegriffen wurde.

Sind die Hilfen denn überhaupt zielführend. Verhindern sie ein massives Unternehmenssterben?

Die Erstattung des Umsatzausfall ist sicher zielführend, damit das zeitnah geht, orientiert man sich am Umsatz im November des Vorjahres. Ob allerdings 75 Prozent ausreichen, dürfte fraglich sein, je länger der Lockdown dauert.

Die Margen liegen in diesen konsumnahen Bereichen ja nicht bei 25 Prozent, insofern kann es trotz der Hilfen zu einem massiven Unternehmenssterben kommen. Gar keine Hilfe haben die Einzelhändler in Aussicht, deren Geschäfte zwar offenbleiben dürfen, aber in Innenstädten, die wegen geschlossener Cafes, Restaurants und Kultureinrichtungen unattraktiv sind, kaum noch oder viel weniger Kunden haben werden.

Was braucht die deutsche Wirtschaft nun zusätzlich, um vor einem Kollaps gerettet zu werden?

Ganz wichtig ist eine politische Strategie für die mittlere Sicht, denn wir können nicht alle paar Monate Gesellschaft und Wirtschaft herunterfahren. Der Lockdown-Beschluss ist auch die Folge massiven Versagens, wie es sich bei der unzureichenden Handlungsfähigkeit der Gesundheitsämter oder der wirkungslosen Corona Warn-App zeigt.

Überdies drohen Schulschließungen, weil wir dort infrastrukturell an Grenzen stoßen. Das Adhoc-Krisenmanagement eröffnet keine mittelfristige Strategie und Orientierung. Wir müssen dafür auf die Selbstverantwortung der Menschen setzen – autoritäre Politik befördert das nicht. Wir brauchen eine individuelle Haltung, mit dem Risiko länger umzugehen (Abstand, Hygiene, Maske etc.).

Zum Interview auf Focus Online.

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