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Jürgen Matthes im Mindener Tageblatt Interview 20. Februar 2015

Grexit und die Folgen

Die Schuld allein auf die Troika zu schieben, wird der Sachlage nicht gerecht und ist letztlich billige Polemik der griechischen Regierung, sagt Jürgen Matthes, Währungsexperte im Institut der deutschen Wirtschaft Köln, im Interview mit dem Mindener Tageblatt.

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Die neue griechische Regierung macht das Programm der Euro-Partner und des IWF für die Misere im Land verantwortlich. Teilen Sie diese Einschätzung?

Nur zu einem kleinen Teil. Das Programm hat anfangs vielleicht etwas zu stark auf schnelle Konsolidierung gesetzt und zu wenig auf wachstumsfördernde Strukturreformen. Zudem hat man unterschätzt wie stark das Wachstum und damit die Steuereinnahmen in der Anpassungsphase einbrechen würden. Doch das Gros der Verantwortung trägt Griechenland. Denn weil die damalige Regierung das Geld mit vollen Händen ausgab, verzeichnete der griechische Staatshaushalt im Jahr 2009 ein exorbitantes Defizit von über 15 Prozent der Wirtschaftsleistung. Da verwundert es nicht, wenn die nötigen Einsparungen groß sein müssen. Die Schuld allein auf die Troika zu schieben, wird der Sachlage nicht gerecht und ist letztlich billige Polemik.

Das Szenario eines griechischen Austritts wird von Tag zu Tag realistischer. Vieles deutet auf ein Ende mit Schrecken hin. Welche Folgen drohen bei einem Grexit für die Griechen?

Bei einem Grexit würde Griechenland ein wirtschaftliches Chaos drohen. Zeitweilig würde vermutlich die Geldversorgung zusammenbrechen. Denn die Geschäftsbanken gerieten von mehreren Seiten unter Druck und drohten Konkurs zu gehen. Die Versorgung mit Euro-Zentralbankgeld wäre nicht mehr möglich, die Kunden würden scharenweise ihre Euro-Guthaben abheben (womit sie schon begonnen haben) und es käme zu einer starken Kapitalflucht ins Ausland. Zudem würde die neue Währung abwerten, so dass die griechischen Schulden im Ausland (in neuer Währung gerechnet) stark steigen würden. Damit drohten verbreitete Pleiten von Unternehmen und Banken und letztlich ein gravierender Staatsbankrott.

Und wie teuer wird das etwa für die deutschen Steuerzahler?

Wie weit davon die deutschen Steuerzahler direkt betroffen wären lässt sich nur schwer abschätzen. Zwar haftet Deutschland letztlich indirekt quasi als Bürge für über 60 Milliarden Euro, die über verschiedene Wege (vor allem den Euro-Rettungsschirm) an Griechenland verliehen wurden. Doch könnte der Euro-Rettungsschirm (oder andere zwischengeschaltete Institutionen wie die KfW und die EZB) eventuell als Puffer dienen, so dass die Bürgschaften des deutschen Staates nicht oder nur zu einem relativ kleinen Teil gezogen würden.

Ihre Prognose: Ist Griechenland Mitte des Jahres noch im Euro?

Wenn sich die griechische Regierung weiterhin grundsätzlich weigern würde, die Reformvereinbarungen einzuhalten, dann lege ich dafür meine Hand nicht ins Feuer. Aber Athen scheint sich ja jetzt doch zu bewegen und es zeichnen sich im Verhandlungspoker gewisse Kompromisslinien ab. Dabei muss Griechenland aber zweifelsohne viel stärker auf die anderen Euroländer zukommen als umgekehrt.

Zum Interview auf mt.de

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