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IW-Expertin für die Pharmaindustrie Jasmina Kirchhoff
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Jasmina Kirchhoff in der Freien Presse Interview 2. Februar 2021

Corona-Impfstoff: „Es geht nicht nur um ein Rezept mit drei Zutaten”

Das Tempo der Impfstofflieferungen wird derzeit heiß diskutiert. „Wir haben es ja mit Impfstoffen zu tun, die in Rekordzeit entwickelt wurden und auch in Rekordzeit auf den Markt kommen”, sagt IW-Pharmaexpertin Jasmina Kirchhoff im Interview mit der Freien Presse.

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Die Impfstoffproduktion läuft ja offenbar nicht so gut wie erwartet. Wie beurteilen Sie die Probleme? Waren die Schwierigkeiten vorhersehbar?

Die Impfstoff-Lieferproblematik wird ja gerade sehr heiß diskutiert. Ich glaube, dass es sehr schwer ist, hier über Probleme zu sprechen. Wir können sehr stolz darauf sein, was Unternehmen und Politik gemeinsam in so kurzer Zeit geschafft haben und wir jetzt schon die Bevölkerung impfen. Dass die Produktion am Anfang schrittweise hochgefahren wird, war erwartbar. Dabei haben die Unternehmen auch mit Hilfe der Politik ja schon vor der Zulassung ihre Impfstoffe hergestellt und sie konnten direkt Millionen Dosen in die ganze Welt verschicken. Und wir dürfen nicht vergessen, dass die gesamte Weltbevölkerung gerade gleichzeitig auf Impfstofflieferungen wartet.

Haben die Pharmaunternehmen vielleicht zu viel versprochen?

Wir haben es ja mit Impfstoffen zu tun, die in Rekordzeit entwickelt wurden und auch in Rekordzeit auf den Markt kommen. Dafür mussten Produktionslinien komplett umgestellt und auch das Personal geschult werden. Dass da mit Kinderkrankheiten zu rechnen war, dass nicht alles sofort reibungslos funktioniert, sollte eigentlich jedem klar sein. Wir stehen ja noch am Anfang.

Hat sich die Politik die Impfstoffproduktion zu leicht vorgestellt?

Was die Politik sich vorgestellt hat, kann ich nicht beurteilen. Klar ist aber: Eine solche Impfstoffproduktion ist alles andere als leicht. Es geht nicht nur um ein Rezept mit drei Zutaten, die man in einem bestimmten Verhältnis zusammenmischen muss, sondern es geht um eine biotechnologische Produktion. Das hoch zu skalieren und in eine industrielle Produktion zu bringen, das dauert seine Zeit.

Es gab Stimmen, die mit Exportbeschränkungen für die Pharmafirmen drohen. Ist das der richtige Weg, um die Unternehmen zu höherer Leistung zu bewegen?

Nein, das halte ich für absolut kontraproduktiv. Exportbeschränkungen und Lizenzen würden den Warenverkehr erschweren, nicht nur für den Impfstoff selbst, sondern auch für Vorprodukte. Das würde zu weiteren Problem führen, die wir noch gar nicht absehen können. Von solchen Restriktionen halte ich persönlich nichts.

Immer wieder wird auch die Abhängigkeit der Pharmaindustrie von außereuropäischen Lieferanten -  insbesondere auch aus China -  diskutiert. Ist die Abhängigkeit tatsächlich so groß?

Die Vorleistungsquote der europäischen Pharmabranche ist gemessen am Produktionswert im Vergleich zu anderen Industrien grundsätzlich unterdurchschnittlich. Die Pharmaindustrie hat einen höheren Anteil eigener Wertschöpfung als sonst im verarbeitenden Gewerbe üblich. Auch von China gibt es keine grundsätzliche Abhängigkeit. Allerdings gibt es im Niedrigpreissegment, beispielsweise bei einigen Generika, punktuell Abhängigkeiten. Aber es ist kein grundsätzliches Problem. Ein Großteil der Impfstoffproduktion findet in Europa statt.

Der Hersteller Astrazeneca hat ja angekündigt, dass er keinen Profit mit seinem Impfstoff macht. Ist das ein Trend in der Branche, Impfstoffe eher als Imagefaktor einzusetzen?

Das Coronavirus ist eine große Herausforderung. Ich denke, alle haben dasselbe Interesse, nämlich möglichst schnell wieder in die Normalität zu kommen. Astrazeneca hat den Impfstoff mit der Universität Oxford entwickelt, die nach anderen Kriterien arbeitet als ein Unternehmen. Aber auch die anderen sind sich ihrer Verantwortung bewusst. Rund die Hälfte der Impfstoffexporte aus der EU werden für humanitäre Projekte aufgewendet. Viele Unternehmen wollen einfach auch Gutes tun. Ich persönlich arbeite nicht in der Pharmabranche, doch ich kann mir vorstellen, dass viele Menschen dort arbeiten, weil sie unser Leben verbessern wollen. Wer dort in einem Labor tätig ist, denkt nicht die ganze Zeit an den Profit des Unternehmens.

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