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Hubertus Bardt im Deutschlandfunk Interview 10. März 2016

Energiewende: "Wir müssen effizienter werden"

Die Energiewende in Deutschland sei grundsätzlich auf einem guten Weg, sagt IW-Ökonom Hubertus Bardt im Interview mit dem Deutschlandfunk. Allerdings warnt er auch vor zuviel Euphorie: Denn in Sachen Netzausbau und Wirtschaftlichkeit sei man nicht im Plan. Er kritisiert außerdem das Ziel, den Stromverbrauch zu verringern.

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Der Ausbau der erneuerbaren Energien läuft schneller, als alle erwartet hatten. Ist die Energiewende damit ein voller Erfolg?

Die Energiewende ist, rein was die Zahlen des Ausbaus angeht, sicherlich erfolgreich. Da sind wir sogar schneller als der Plan, was dann umgekehrt allerdings auch mit dazu führt, dass wir auf der anderen Seite höhere Kosten haben. Wir sind, was die Wirtschaftlichkeit angeht, nicht im Plan. Wir sind, was den Netzausbau angeht, nicht im Plan. Und was die Senkung des Stromverbrauchs angeht, ist es sogar in die entgegengesetzte Richtung gelaufen.

Die Verringerung des Stromverbrauchs ist der größte Negativpunkt. Sind da falsche Instrumente am Werk, oder ist das einfach ein falsches Ziel aus Ihrer Sicht?

Wir müssen an der Stelle, glaube ich, tatsächlich über das Ziel noch mal nachdenken, ob das so realistisch ist. Wir haben es damals mit der Voraussicht zu tun gehabt, dass die Bevölkerung zurückgeht, und das ist derzeit zweifelhaft geworden. Wir werden und wollen auch weiter große energieintensive Industrien hier weiter haben, um Beschäftigung und Produktion zu ermöglichen. Das heißt, auch da ist wenig Rückgang des Stromverbrauchs zu erwarten. Und wir haben mit Effizienztechnologien wie beispielsweise dem Elektroauto sogar eher noch zusätzliche Energieverbräuche, die über Strom abgewickelt werden. Das heißt, Strom als dann auch effiziente Energiequelle wird möglicherweise sogar wichtiger und wir werden es hier nicht mit deutlich sinkenden Verbräuchen zu tun haben.

Was sind denn die Folgen aus Ihrer Sicht, wenn zum Beispiel Netzausbau und andere Dinge weniger gut laufen als der Ausbau der erneuerbaren Energien?

Das bedeutet am Ende des Tages, dass das ganze Projekt teurer wird und schwieriger wird als notwendig. Wenn wir den Netzausbau nicht haben, dann kriegen wir den Windstrom im Norden und die großen Verbräuche im Süden nicht miteinander in Einklang gebracht. Das bedeutet, dass wir zwar Windenergieanlagen aufbauen und bilanziell auch immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien haben, aber den dann nicht selber nutzen können, ihn ins Ausland ableiten oder schlimmstenfalls die Anlagen abriegeln. Das muss zusammen geschehen und nur wenn das zusammen geschieht und wir deutlich machen können, dass wir es nicht nur technisch schaffen, sondern auch wirtschaftlich schaffen, für ein Industrieland es ermöglichen, die Stromerzeugung auf CO2-arme Quellen umzubauen, nur dann kann das auch ein Modell für andere Länder sein.

Was empfehlen Sie denn, um die Kosten im Griff zu halten?

Wir müssen effizienter werden. Wir müssen den Druck weiter hochhalten und die Bundesregierung geht da auch Schritte hin, mit den Kosten für die erneuerbaren Energien runterzugehen. Ausschreibungsmodelle werden im Augenblick getestet und werden weiter fortgesetzt. Wir müssen mit dem Netzausbau weiter vorangehen und wir müssen insgesamt auch wissen, dass wir durch höhere Geschwindigkeit auch höhere Kosten produzieren, vielleicht beim Einstieg in die Erneuerbaren nicht ständig auf dem Gas stehen, sondern versuchen, die Ziele, die man sich mal gesetzt hat, einzuhalten.

Die Bundesregierung will ja das System wechseln. Sie haben es gerade angesprochen, die erneuerbaren Energien mit Ausschreibungen ausbauen. Ist das ein richtiger Systemwechsel aus Ihrer Sicht?

Wir müssen langfristig dahin kommen, dass die erneuerbaren Energien sich in einem Strommarkt auch selber tragen können und wir nicht mehr irgendwie zentral festgesetzte Preise brauchen. Die Ausschreibung kann ein Weg dahin sein. Wir müssen dann aber auch hier weiter vorangehen und nicht nur größere Mengen in die Ausschreibung hineinbringen, sondern dann auch den Wettbewerb zwischen den erneuerbaren Energieträgern stärken. Das heißt, diejenigen auch installieren, und zwar möglichst europaweit installieren, die jeweils am günstigsten sind, und nicht jede einzelne Technologie an jedem einzelnen Standort.

Beim Kohleausstieg hinken wir auch hinterher und das führt dazu, dass wir weiter relativ viel Kohlendioxid ausstoßen. Wie kann man da Ihrer Meinung nach besser vorankommen?

Wir stoßen vor allem deshalb jetzt nicht deutlich weniger CO2 aus als vor einigen Jahren in der Stromerzeugung, weil wir natürlich zwar die erneuerbaren Energien in den Markt reinbringen, gleichzeitig die Kernenergie aber auch rausnehmen, die auch kaum CO2 produziert hat, und wir im Augenblick auf den Märkten deutlich gesunkene Kohlepreise haben. Deshalb ist die Kohle dann wirtschaftlicher. Das ist auch solange kein Problem, solange wir in dem europäischen Emissionshandel mit drin sind und die zusätzlichen Emissionen an der einen Stelle durch sinkende Emissionen an der anderen Stelle ausgleichen. Das heißt, umgekehrt, dass wir nicht mit einem forcierten Kohleausstieg hier vorangehen sollen, der zwar zusätzliche Kosten produziert, der aber dem Klima insgesamt nichts nützt, weil der gesamte Ausstoß der Emissionen in Europa wird durch europäische Regulierung und nicht durch deutsche Technologiedefinition festgelegt.

Das Interview zum Anhören auf deutschlandfunk.de

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