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Hans-Peter Klös in der Zeitschrift Versicherungswirtschaft Interview 13. Januar 2016

"Keine Führungslücke in Deutschland erkennbar"

IW-Geschäftsführer Hans-Peter Klös spricht im Interview mit der Zeitschrift Versicherungswirtschaft über Unternehmens-und Führungskultur in der digitalen Arbeitswelt.

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Hängt die Führungskultur in Deutschland im internationalen Vergleich zurück?

Das LAB Consulting Barometer befragte dazu 7.300 Berater. Ergebnis: Bei Managern handele es sich um eine Bevölkerungsgruppe, die immer stärker unter Druck stünden und daher häufiger unkorrekt handelten. Dabei verändere gerade die Digitalisierung die Anforderungen an Führungskräfte. Ein deutlich anderes Bild zeichnen international vergleichende Datensätze zum Zusammenhang zwischen Arbeitszufriedenheit und Führungsverhalten: Nach einer Befragung von insgesamt 44.000 Erwerbstätigen in 34 europäischen Ländern im Jahr 2010 ist die Arbeitszufriedenheit in Deutschland hoch: Mehr als 88 Prozent der Erwerbstätigen sind mit ihrem derzeitigen Job „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“. Damit belegt Deutschland Platz 9, die Abstände zur Spitze in Dänemark oder Norwegen sind gering. Für die meisten Beschäftigten ist dabei auch das Verhalten der Führungskraft entscheidend. Vorgesetzte, die einen respektvollen Umgang pflegen, gute organisatorische Fähigkeiten besitzen und ihre Mitarbeiter einbinden, erhöhen europaweit die Arbeitszufriedenheit ihrer Mitarbeiter.

Wie entscheidend ist der Faktor Personalführung im internationalen Wettbewerb?

Den Unternehmen ist durchaus bewusst, dass ihre Führungskräfte die Schlüsselrolle für die Arbeitszufriedenheit der Belegschaft spielen. Wie das IW-Zukunftspanel zeigt, organisiert knapp die Hälfte der deutschen Unternehmen spezielle Trainings für Vorgesetzte. Von Unternehmen und Managern wird zunehmend erwartet, dass sie moralischen Ansprüchen gerecht werden und soziale wie ökologische Standards einhalten. Dabei sollten die formulierten Werte fest in der Unternehmens- und Führungskultur verankert werden. Das gelingt nur, wenn die Werte von den Führungskräften konsequent vorgelebt werden, wie es vor allem von jungen Menschen eingefordert wird. Das lohnt sich auch finanziell: Nach einer Studie des Great Place to Work Institute konnten die 100 attraktivsten amerikanischen Arbeitgeber zwischen 1997 und 2014 ihren Börsenwert fast doppelt so stark steigern wie die 500 größten börsennotierten Unternehmen des S&P-500-Index. Unternehmen mit einer Vertrauenskultur in Krisenzeiten erleiden zudem deutlich weniger Reputations- und Motivationsverluste als der Durchschnitt aller Unternehmen.

Verpasst Deutschland durch seine hierarchisch geprägte Führungskultur den Anschluss in der digitalen Arbeitswelt? Gibt es in Deutschland einen „Führungs-Gap“?

Innovative und sehr erfolgreiche Unternehmen setzen häufiger auf Führungsmaßnahmen, die Mitarbeiter motivieren und an das Unternehmen binden. Entscheidend dabei ist die Qualifikation der Vorgesetzten: Deshalb schulen gut 70 Prozent der innovativen Unternehmen ihre Führungskräfte zu guten Vorbildern. Firmen mit Prozess- und Produktinnovationen kümmern sich auch deutlich mehr um die Arbeitszufriedenheit und die Leistungsbereitschaft ihrer Beschäftigten als jene Firmen, die dieses Kriterium nicht erfüllten. Alles in allem ist eine „Führungslücke“ in Deutschland in den Daten ebenso wenig erkennbar wie eine hierarchischere Führungskultur als andernorts. Entscheidend ist: Gute Personalführung ist ein „business case“ für Unternehmen. Adaptive, individuelle und innovative Führung schafft emotionale Bindung und verhindert innere Kündigungen. Gerade in einer digitalen und weniger präsenzgestützten Arbeitswelt ist stets auch auf eine gute Bindung zwischen Beschäftigten und Betrieben zu achten.

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