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Hagen Lesch in der Märkischen Allgemeinen Zeitung Interview 7. Oktober 2010

Es gibt keinen Nachholbedarf

Hagen Lesch sieht keinen Nachholbedarf bei den Löhnen. Der Tarifexperte im Institut der deutschen Wirtschaft Köln verweist in der MAZ darauf, dass die Löhne in der Krise eigentlich hätten sinken müssen.

Hat Brüderle Recht, wenn er jetzt kräftige Lohnerhöhungen fordert?

Nein, dafür ist nicht der richtige Zeitpunkt. Wir haben in den beiden Krisenjahren 2008 und 2009 Lohnerhöhungen gehabt, obwohl die Produktion stagnierte oder gesunken ist. Die Zuwächse waren ordentlich und führten angesichts der geringen Preissteigerung auch zu höheren Reallöhnen. Daneben profitieren die Beschäftigten von der Rückführung der Kurzarbeit.

Brüderle zufolge müssen die Löhne steigen, um die Arbeitsplätze in Deutschland attraktiv zu halten.

Die Lohnentwicklung sollte sich danach richten, was verteilbar ist. Wir haben das Vorkrisenniveau noch nicht wieder erreicht. In einigen Branchen wie der Stahlindustrie mag das der Fall sein, aber nicht in der Breite. Es gibt daher nichts Zusätzliches zu verteilen.

Die Gewerkschaften verweisen auf die Lohnzurückhaltung in der Krise und sehen jetzt Nachholbedarf.

Nein, den gibt es nicht. Es gab zwar maßvolle Tarifabschlüsse, aber bei rückläufiger Produktion. Eigentlich hätten die Löhne in der Krise sinken müssen. Das ist nicht passiert und das war auch vernünftig so. Aber nun dürfen die Lohnforderungen auch nicht überschießen.

Ist es nicht wichtig, durch höhere Gehälter die Binnennachfrage zu stützen?

Die Binnennachfrage wird durch die Entwicklung von Löhnen und Beschäftigung stimuliert. Eine positive Beschäftigungsentwicklung ist nach meiner Einschätzung jetzt wichtiger. Was nützt es, wenn die Löhne steigen und Jobs verloren gehen. Löhne sind nicht nur Kaufkraft, sondern Kosten für die Unternehmen.

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