Die Wohneigentumsquote stagniert hierzulande seit 2010 bei 45 Prozent der Haushalte. Woran liegt das?

Das hat vor allem damit zu tun, dass die Zahl derer, die zum ersten Mal Eigentum erwerben, stark gesunken ist. 2007 waren es noch fast 700 000 Haushalte, 2017 nicht mal mehr 400 000.

Bei den 35-bis 44-Jährigen ging die Eigentumsquote seit 2010 um fünf Prozentpunkte zurück. Wie ist das zu erklären?

Es gibt verschiedene Gründe. Einer davon ist die zunehmende Akademisierung. Viele junge Leute starten erst spät ins Berufsleben und können erst entsprechend spät mit dem Ansparen von Eigenkapital beginnen. Dieser Trend bleibt aller Voraussicht nach bestehen. Es könnte daher gut sein, dass der Anteil der Wohnungseigentümer bei den Jüngeren weiter sinkt.

Die Zinsen sind so niedrig wie nie. Warum führt das nicht dazu, dass deutlich mehr Leute, auch Jüngere, ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung kaufen?

Unter den bis zu 40-Jährigen haben nur zehn Prozent der Mieterhaushalte mindestens 50 000 Euro Eigenkapital angespart. Das Eigenkapital ist zur entscheidenden Hürde geworden, insbesondere wegen der an vielen Orten stark gestiegenen Kaufpreise. Da helfen niedrige Zinsen erst einmal nichts. Hilfreich ist aber, dass beim Wohnungskauf die Verkäufer künftig die Hälfte der Maklerprovision zahlen müssen. Das entlastet Käufer und könnte die Neigung, in die eigenen vier Wände zu investieren, steigern.

Was könnte darüber hinaus helfen, die Eigentumsquote zu erhöhen?

Der Staat sollte die Eigenkapitalbildung stärker fördern. Zudem könnten Arbeitgeber ihre Beschäftigten vermehrt dabei unterstützen, Hypothekendarlehen aufzunehmen. Vorteil für die Firmen: Solche Mitarbeiter lassen sich leichter halten.

Zum Interview auf finanzen.net