Halten Sie den sozialen Wohnungsbau für ein sinnvolles Instrument der Wohnungspolitik?

Ich bin bekannt als ein Kritiker des sozialen Wohnungsbaus, vor allem aufgrund der geringen Treffsicherheit. Allerdings erkenne ich an, dass der soziale Wohnungsbau ein gewisses Korrektiv im Wohnungsbau darstellen kann. Gerade in angespannten Märkten gibt es die Tendenz, dass vor allem solche Wohnungen gebaut werden, bei denen die Margen der Projektentwickler besonders hoch sind. Solange es uns nicht gelingt, die Baulandpotentiale besser zu nutzen, kann über den sozialen Wohnungsbau sichergestellt werden, dass auch günstigere Wohnungen entstehen, die für eine Durchmischung der Bevölkerung wichtig sind. Darüber hinaus finden auch Menschen eine Wohnung, die ansonsten wenig Chancen hätten.

Ist der soziale Wohnungsbau nicht schon deshalb der falsche Ansatz, weil nur ganz wenige Haushalte gefördert werden können, gemessen an den vielen Millionen Berechtigten?

In der Tat ist das ein großer Nachteil des sozialen Wohnungsbaus gegenüber dem Wohngeld, auf das ein Rechtsanspruch besteht. Der Wohnberechtigungsschein ist wenig wert, wenn man damit keine Sozialwohnung findet. Ein Grundproblem ist, dass die Grenzen für den Wohnberechtigungsschein zu weit sind: In Städten wie Berlin könnten bis zu 50 Prozent der Mieter einen Wohnberechtigungsschein bekommen. Oft ist es so, dass Vermieter eher die Mieter am oberen Rand der Verteilung wählen, weil diese sich besser präsentieren können. Die eigentlichen Zielgruppen kommen dann gar nicht zum Zug. Dem wird oft entgegengehalten, dass durch den sozialen Wohnungsbau auch eine soziale Durchmischung erreicht werden soll, doch damit wird das Instrument absurd teuer. Durchmischung können wir nur erreichen, wenn Sozialwohnungen und freifinanzierte Wohnungen im gleichen Viertel existieren.

Wie könnte man einen der größten Nachteile, die Fehlbelegung mit Haushalten, die zu viel verdienen, beseitigen?

Nach meinem Verständnis sollten Sozialwohnungen zuallererst den Haushalten zustehen, die als armutsgefährdet gelten. Das sind nach allgemeiner Auffassung Haushalte, die weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verdienen. 47 Prozent der Mieter in Sozialwohnungen haben aber mehr als dieses Einkommen, ein Viertel hat mehr als 80 Prozent, und zehn Prozent liegen sogar über dem mittleren Einkommen. Ein Grund dafür sind die zu weiten Grenzen für den Erhalt des Wohnberechtigungsscheins. Aber es gibt noch andere Gründe: So wird das Einkommen nur beim Einzug überprüft, danach aber nicht mehr. Verdienen Mieter später mehr und bleiben wohnen, ist die Wohnung für diejenigen belegt, die es nötiger hätten. Besser wäre es, Sozialwohnungen nur befristet, zum Beispiel für fünf Jahre, zu vermieten. Nach vier Jahren könnte dann die Situation des Haushalts neu bewertet und der Mieter beispielsweise aufgefordert werden, eine freifinanzierte Wohnung zu suchen. Damit würde sichergestellt, dass die Sozialwohnungen auch nur von den bedürftigen Haushalten genutzt werden.

Welche Alternative zum sozialen Wohnungsbau würden Sie bevorzugen?

Das beste Mittel der sozialen Wohnungspolitik ist, dafür zu sorgen, dass genügend gebaut wird. Der Schlüssel hierfür ist die Ausweisung von mehr Bauland, und dies ist auch in den Großstädten möglich. Gerade hier lohnt der Blick nach Wien. In Deutschland schaut man immer auf die Regulierungen in Wien, aber es lohnt vielmehr der Blick auf die Baupolitik. Mit der Seestadt Aspern ist ein neues Stadtviertel entwickelt worden, das Wohnungen für bis zu 20 000 Haushalte bietet. Solche großen Bauprojekte, bei denen auch die Infrastruktur wie der S-Bahn-Anschluss direkt mitentwickelt wird - übrigens als öffentlich-private Partnerschaft -, würde auch deutschen Großstädten guttun. Und wenn Bauland gewonnen wird, könnte über Konzeptvergaben Einfluss auf die Struktur des Wohnungsbaus genommen werden, und es könnten auch günstigere und einfachere Wohnungen verlangt werden. Dies wurde sehr gut in Hamburg umgesetzt, andere Städte tun sich damit aber bisher sehr schwer.