Können Sie erkennen, ob sich die Corona-Krise jetzt schon auch auf den Immobilienmarkt auswirkt?

Es kommt jetzt zu weniger Transaktionen. Wohnungsbesichtigungen können nicht mehr stattfinden, Notartermine auch nicht. In so einer Phase wie jetzt, in der sich viele Gedanken um ihren Job machen, in der niemand so richtig weiß, wie es weitergeht, werden große Investitionsentscheidungen oder auch der Umzug in eine größere Wohnung, erst einmal ausgesetzt.

Woran messen Sie diese Entwicklung?

Ein erstes Indiz sind die Auswirkungen in der Google-Suche. Die Suchmaschine erfasst die wöchentliche Zahl der Suchanfragen. Begriffe wie "Wohnung kaufen" oder "Wohnung mieten" wurden hier schon deutlich weniger nachgefragt. Die waren auf einem kontinuierlich steigendem Niveau. Unmittelbar nachdem die Kontaktverbote erteilt worden sind, wurde das massiv sichtbar.

Kann man das in konkrete Zahlen fassen?

Hier werden keine absoluten Zahlen dargestellt, sondern nur relative. Ein Wert von 100 steht für die maximale Suchanzahl in einem Zeitraum. Ein Wert von 50 bedeutet eine Halbierung. In der Woche bis zum 1. März lag der Wert für "Mieten und Kaufen" noch jeweils bei 91, nun lag er in der Woche bis zum 22.03. bei "Mieten" nur noch bei 57 und bei "Kaufen" bei 66.

Worauf deutet das hin?

Wir haben schon im letzten Jahr gesehen, dass die Mietsteigerungen in den Großstädten nicht mehr ganz so stark waren. Was hat die Mieten so getrieben? Das war die große Zuwanderung in die Städte und relativ starke Einkommenszuwächse. Viele Mieter konnten hohe Mieten zahlen. Das ist jetzt erstmal passé. Es kann sogar Einkommensrückgänge geben. Und auch die Zuwanderung lässt stark nach. Wir sehen, dass internationale Fachkräfte nicht mehr ins Land kommen, manche sind sogar wieder gegangen. Daher erleben wir jetzt eine gewisse Pause. Und das führt dazu, dass auch die Mieten deutlich langsamer steigen. Diese Entwicklung war schon vor der Corona-Krise zu beobachten, aber das Virus verstärkt das noch mal.

Rettungsschirm ermöglicht Stundungen

Welche Schwierigkeiten kommen auf Immobilienbesitzer und Vermieter zu?

Bei Eigentümern, die ihre Immobilie selbst nutzen, geht es zunächst darum, ob sie ihre Raten bei der Bank weiter zahlen können. Das ist allerdings in den meisten Fällen ganz gut geregelt durch die Rettungsschirme der Bundesregierung. Es gibt nun eine gewisse Möglichkeit, dass Banken Raten stunden. Schwieriger ist es für einige Vermieter. Denn sie müssen jetzt Mietzahlungen stunden. Das kann einige hart treffen. Nicht alle sind finanziell gut aufgestellt. 22 Prozent der Vermieter liegen sogar unter dem Einkommensdurchschnitt. Wer seine Mietimmobilie erst vor kurzem gekauft hat, ist auch auf die hohen Mietzahlungen angewiesen, weil sich die Finanzierung sonst nicht mehr rechnet.

Dazu kommen auch noch andere mietpolitische Maßnahmen, die die Situation von Vermietern noch mal verschärfen. Es könnte auch sein, dass Vermieter noch weniger Geld in die Immobilie stecken. Instandsetzungen und Modernisierungen werden wohl erst einmal auf die lange Bank geschoben. Aber es gibt auch Vermieter, die schon lange im Geschäft sind und ein größeres Polster haben. Einige haben schon von sich aus angeboten, Stundungen zuzulassen - noch bevor das jetzt gesetzlich festgeschrieben wurde.

Gibt es einen Rat, den sie geben würden?

Der Markt sortiert sich jetzt gerade erst. Daher würde ich jetzt weder raten, unbedingt zu kaufen noch unbedingt zu verkaufen. Wer ein sicheres Einkommen hat, für den mag die Entscheidung sicherlich noch mal anders gelagert sein, und da kann es vielleicht tatsächlich attraktiv sein. In den nächsten zwei Monaten ist es aber ohnehin schon physisch nicht möglich, solche Transaktionen zu machen. Der Immobilienmarkt ist jetzt eingefroren.

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