Bislang eilte der Arbeitsmarkt von einem Erfolg zum anderen. Ist das deutsche Jobwunder jetzt vorbei?

Nein. Wir sind bei der Beschäftigung auf einem historischen Höchststand. 45,3 Millionen Menschen haben einen Job. Damit ist die Ausschöpfung des Erwerbspersonenpotenzials in Deutschland eigentlich ausgereizt.

Die Ankündigung großer Unternehmen, zehntausende Stellen zu streichen, erinnert aber schon an alte Krisenzeiten.

Die Banken haben sicher Anpassungsbedarf, genauso wie der Chemie- oder Automobilsektor. Panik ist aber unangebracht. Von den möglicherweise bis zu 20 000 Stellenstreichungen bei der Deutschen Bank sind in erster Linie Niederlassungen im Ausland betroffen. Und wenn man sich im Hinblick auf einen bekannten Autokonzern etwa die Regionaldaten im Arbeitsamtsbezirk Ingolstadt anschaut, dann ist dort nichts von Krise zu spüren. Stellen in klassischen Bereichen werden zwar reduziert, aber auch Stellen angesichts alternativer Antriebe neu geschaffen.

Im Juni ging die Zahl der offenen Stellen erstmals seit sechs Jahren wieder leicht zurück. Auch Zeitarbeiter kommen nicht mehr so stark zum Einsatz wie noch vor Monaten. Sind das keine Anzeichen für eine Eintrübung?

Was Sie Eintrübung nennen, ist aus meiner Sicht ein konjunkturelles Atemholen und kein Einstieg in einen dramatisch schlechten Arbeitsmarkt. Wegen der vielen Erfolgsmeldungen vom Arbeitsmarkt sind wir auch ein bisschen verwöhnt. Wahr ist, dass es auf den zentralen Absatzmärkten Schwächen gibt. Darunter leidet der deutsche Maschinenbau. Die Vergangenheit lehrt, dass diese Branche stets in der Lage war, auf andere Märkte auszuweichen.

Und was ist mit der restriktiven Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump?

Bei Trump haben wir es mit einer Hüh-und-hott-Politik zu tun. Ich gehe nicht davon aus, dass der US-Präsident den Konflikt mit China eskalieren lässt. Denn darunter leidet auch die Wirtschaft in seinem Land. Wenn man einen Strich unter all das zieht, kann man feststellen, dass die Konjunktur zweifellos schwächelt. Aber es ist keine Rezession und damit auch keine Trendwende für den Arbeitsmarkt.

Die Beschäftigten müssen sich also keine Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen?

Nein, jedenfalls nicht in der Breite. Nach unseren Umfragen bleiben die Investitions- und Beschäftigungsabsichten der Unternehmen robust. Das hat damit zu tun, dass man im digitalen Wandel steckt und weiter Fachkräfte benötigt. Hinzu kommt der demografische Faktor: Mehr Menschen scheiden altersbedingt aus dem Arbeitsmarkt aus, als neue Erwerbspersonen eintreten. Auch das ist ein Vorteil für die Beschäftigten.

Zum Interview in der Saarbrücker Zeitung