"Mehr Flüchtlinge nach Ostdeutschland leiten" Image
Im vergangenen Jahr sind rund 500 000 Menschen nach Deutschland eingewandert.

Täglich kommen Tausende Flüchtlinge nach Deutschland. Verkraftet das Land das?

Natürlich. Die Flüchtlinge aufzunehmen, ist zunächst eine Frage der moralischen Verantwortung. Sie sind aber auch eine große Chance für Wirtschaft und Gesellschaft. Schon jetzt fehlen in vielen Branchen Auszubildende und Fachkräfte. Viele, die sich auf den Weg machen, können und wollen hier ihr Glück in die Hand nehmen.

Viele Deutsche reagieren offen auf die Flüchtlinge. Überrascht Sie das?

Die Offenheit ist nicht zuletzt eine Dividende des boomenden Arbeitsmarktes. Keiner muss wegen der Flüchtlinge um seinen Job fürchten – das war in den 90er Jahren ein schon damals falsches Argument von rechts gegen Zuwanderung. Sogar der Bundeshaushalt mit seiner schwarzen Null bietet derzeit genug Spielraum, um die Integration zu finanzieren. In einer wachsenden Wirtschaft gibt es weniger Verteilungskonflikte.

Geht die Politik vernünftig mit den Flüchtlingen um?

Für Flüchtlinge wie für Zuwanderung insgesamt gilt: Die deutsche Politik sollte beides besser steuern und die Menschen gezielter in Regionen leiten, die Zuwanderung dringend nötig haben. Das betrifft besonders Ostdeutschland. Hier sind fast 20 Prozent der Arbeitnehmer mit den Schlüsselqualifikationen der sogenannten MINT-Berufe (Mathe-Informatik-Naturwissenschaften-Technik) über 55 Jahre, gehen also absehbar in Ruhestand, ohne dass in vergleichbarem Umfang Nachwuchs bereitsteht. Und hier liegt der Anteil der Ausländer meist nur bei zwei Prozent. Viele ostdeutsche Regionen werden in zehn Jahren entvölkert sein, wenn die Politik jetzt nicht umsteuert.

Wie viel Zuwanderer wären sinnvoll für Deutschland?

Wir können bundesweit gut 500 000 Zuwanderer netto pro Jahr verkraften, wie das Jahr 2014 gezeigt hat. Damit liegen wir bezogen auf die Bevölkerung auf dem Niveau der Schweiz. Deutschland braucht Zuwanderer. Deutschland braucht aber auch ein transparentes Zuwanderungskonzept. Derzeit haben wir 50 Zuwanderungstitel, also offizielle Wege, um nach Deutschland zu kommen. Das ist bürokratisch und abschreckend für Ausländer, das politische Signal bleibt aus.

Das Interview auf rp-online.de

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23. März 2017

Doppelinterview „Der Papierkram ist für die Unternehmen eine Zumutung“Arrow

Mithilfe von 150 Willkommenslotsen unterstützt das Bundeswirtschaftsministerium kleine und mittlere Unternehmen in allen praktischen Fragen der Flüchtlingsintegration. Birgit Barfuß ist eine dieser Lotsinnen. Auf ihren Job vorbereitet hat sie das KOFA-Team des IW Köln, zu dem Sarah Pierenkemper gehört. Im iwd-Interview berichten die beiden, welche organisatorischen und kulturellen Hürden bei der Vermittlung von Flüchtlingen zu überwinden sind. mehr auf iwd.de

21. März 2017

Jugendliche mit Behinderung Kein Handicap für die AusbildungArrow

Viele junge Leute mit Handicap absolvieren ihre Ausbildung in einem Berufsbildungswerk oder einer anderen geförderten Einrichtung. Dabei stehen viele Unternehmen einer betrieblichen Ausbildung von Menschen mit Behinderung durchaus offen gegenüber. Doch oft mangelt es schlicht an Kontakten. mehr auf iwd.de

Flüchtlingsintegration
IW-Pressemitteilung, 20. März 2017

Flüchtlingsintegration Unternehmen sind stark engagiertArrow

Für die Integration der Flüchtlinge ist es besonders wichtig, dass sie einen Job finden. Dabei kommt den Unternehmen eine entscheidende Rolle zu. Viele Firmen haben bereits Flüchtlinge eingestellt, zeigt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in einer Studie. Die Politik kann Förderangebote noch zielgerichteter einsetzen, um das Engagement von Unternehmen zu stärken. mehr