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Ist die EZB-Zinssenkung auf 0,25 Prozent eine gute Nachricht?

Nein, das ist keine gute Nachricht, denn die Zinssenkung verlängert nur die Phase des billigen Geldes, ohne dass damit das Problem der schlechten Kreditversorgung vieler Unternehmen vor allem in Südeuropa gelöst würde. Wenn man ein Instrument bewegt, muss man mindestens erwarten können, dass dieses Instrument eine gewisse Schärfe hat. Wenn man mit dem stumpfen Messer am Marmorblock arbeitet, hilft einem das nichts.

Welche Alternativen hätte es für die Europäische Zentralbank gegeben?

Ich habe den Handlungsbedarf nicht verstanden – genauso wie übrigens die überwiegende Mehrheit der EZB-Beobachter, die von der Zinssenkung überrascht wurde. Für Spanien, Portugal und viele andere Länder erwarten wir für 2014 wieder Wachstum. Wir sind in Europa langsam aus dem tiefsten Tal heraus und kommen jetzt in die Phase der Stabilisierung der wirtschaftlichen Dynamik. Unter solchen Bedingungen ist eigentlich ein Zinssatz von 0,5 Prozentpunkten noch zu niedrig. Die EZB hätte im Gegenteil jetzt deutlich machen müssen, dass ihre Niedrigzinspolitik kein Dauerzustand sein kann.

Die EZB begründet die Zinssenkung mit der geringen Euro-Inflation. Haben Sie keine Angst vor Deflation?

Nicht nur in Europa wird die Konjunktur besser, auch weltweit. Wir sind noch in einem Umfeld geringeren Inflationsdrucks, aber das heißt noch nicht Deflation. Die würde bedeuten, dass Konsumenten belohnt würden, wenn sie nicht einkaufen gingen. Eine Konsumzurückhaltung lässt sich vor allem bei uns gerade nicht beobachten.

Wie groß ist jetzt die Gefahr der Blasenbildung an den Finanzmärkten?

Noch haben wir keine Blase an den Aktienmärkten. Aber natürlich sind die Entscheidungen der Geldanleger durch die niedrigen Leitzinsen verzerrt, und sie bleiben es jetzt auch noch für längere Zeit. Entweder man geht in Aktien oder Immobilien oder man konsumiert.

Wird sich der Immobilienpreisanstieg bei uns noch beschleunigen?

Der wird sich bei uns in dem Muster fortsetzen, wie wir das schon in den letzten beiden Jahren erlebt haben. In den deutschen Metropolen werden die Immobilienpreise weiter anziehen. Im Bergischen Land und im Sauerland werden sie dagegen stagnieren. Der Preisanstieg ist ein Metropolen-Problem.

Wie legen Sie jetzt Ihr Geld an?

Ich akzeptiere keinen negativen Realzins: Das heißt, ich will kein Geld durch Inflation verlieren, indem ich es auf zu gering verzinste Sparbücher lege oder ins Tagesgeld stecke. Ich streue mein Geld breit. In der Euro-Zone hat sich das Bild seit dem Herbst 2012 stabilisiert. Man kann jetzt auch Geld sicher in anderen als nur deutschen Staatsanleihen anlegen, die sind höher verzinst und das Risiko des Ausfalls heute geringer als noch vor zwei Jahren. Wir kommen jetzt in eine Situation, in der die Sparbemühungen der Länder begleitet werden durch eine stabilere Konjunktur. Man kämpft jetzt nicht mehr nur gegen den Wind. Die Bewältigung der Krise wird aber insgesamt eine Dekade benötigen.

Wächst durch die Zinssenkung die Gefahr, dass Union und SPD in Berlin doch noch auf die Idee kommen, die Neuverschuldung zu erhöhen?

Die Gefahr sehe ich nicht. Man wird die Nettokreditaufnahme nicht erhöhen, das ist eine rote Linie, die nicht überschritten wird von der großen Koalition. Man wird aber Überschüsse im Bundeshaushalt, die ab dem nächsten Jahr zu erwarten sind, für Infrastrukturinvestitionen verplanen und nicht in die Schuldentilgung stecken. Und die Steuereinnahmen steigen weiter. Es gibt also keinen Bedarf, die Steuern oder die Defizite zu erhöhen.

Wie bewerten Sie die geplanten Änderungen bei den Renten?

Das ist eine schlimme Rückkehr zu einer Politik der Geschenke. Wir haben in den vergangenen Jahren versucht, das staatliche Rentensystem an den demografischen Wandel anzupassen. Jetzt will man sich von diesem richtigen Kurs verabschieden. Wir müssen im Arbeitsmarkt dafür sorgen, dass es keine wachsende Altersarmut gibt, nicht durch eine Mindestrente. Auch die Anhebung der Mütterrenten und die Aufweichung der Rente mit 67 sind grundfalsch. Man sollte das Rentensystem jetzt stabil halten.

Sollte Frau Merkel jetzt mal auf den Tisch hauen und wirklich führen?

Frau Merkel hat noch nie auf den Tisch gehauen. Ich würde an ihrer Stelle jetzt auch nicht in die Details gehen, das müssen ihre Parteivertreter machen. Am Ende muss sie aber einen Strich ziehen und sagen, was geht und was nicht.

Zum Interview auf der Internetseite der Rheinischen Post

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