"Kein Grund für neue Erleichterungen" Image
Quelle: Rainprel Fotolia

Herr Hüther, die EZB wird morgen voraussichtlich ihr Anleihekaufprogramm aktivieren. Wie bewerten Sie diesen Schritt?

Die EZB muss für Preisstabilität sorgen. Ihr Inflationsziel liegt zwischen 1,7 und 1,9 Prozent. Wenn sie dieses Ziel auf längere Zeit verfehlt, hat sie ein Glaubwürdigkeitsproblem. Der Ankauf von Staatsanleihen ist die letzte Möglichkeit, die die EZB hat, die Zinspolitik ist erschöpft. Wir haben deutliche disinflationäre Tendenzen, zum Teil haben wir schon Deflation. Wenn der Prozess sich einmal verstetigt hat, ist es sehr viel schwieriger, geldpolitisch dagegenzuhalten. Es kommt deshalb sehr darauf an, es zeitig zu tun und es mit Deutlichkeit zu tun. Mit 50 Milliarden Euro wird man nicht viel bewegen.

Kritiker befürchten, dass die EZB so den Reformdruck von den Krisenländern nimmt ...

Ich halte das für nicht so bedeutsam, weil die Probleme in Südeuropa so erheblich sind, dass die Geldpolitik nichts ausrichten kann. Das Argument der Fehlanreize für die Finanz- und Strukturpolitik finde ich überbetont.

In Deutschland ist die Sorge groß, für die Krisenstaaten haften zu müssen. Draghi erwägt nun offenbar ein Modell, bei dem die nationalen Notenbanken nur die Anleihen ihrer Länder kaufen dürfen. Ein überzeugender Ansatz?

Nein, weil die Geldpolitik eine europäische ist und wir sie europäisch durchführen müssen. Wenn wir in die Bereiche der einzelnen Notenbanken zurückfallen, dann betreiben wir erstens keine europäische Geldpolitik. Zweitens wird die Maßnahme so zerteilt und damit ineffektiv. Wenn wir etwas Ineffektives tun, können wir es auch gleich lassen.

Am Sonntag wählen die Griechen ihr Parlament. Was raten Sie den Geldgebern für den Fall eines linken Wahlsiegs?

Die Geberländer sollten deutlich machen, dass es keinen Spielraum mehr gibt. Griechenland zahlt heute auf seinen Schuldenberg einen von den Geberländern subventionierten Zinssatz von im Schnitt 2,4 Prozent. Das muss Griechenland schultern können, und das kann es auch. Es gibt keinen Grund, noch mal Erleichterungen anzubieten.

Das könnte auf einen Euro-Austritt hinauslaufen ...

Ja, die Austrittsoption ist - anders als vor zwei oder drei Jahren - relevant. Die Gefahr eines Dominoeffekts besteht nicht mehr.

Hat Griechenland in der Euro-Zone eine Chance, in absehbarer Zeit an den Kapitalmarkt zurückzukehren?

Wenn es sich so verhält, wie die Linke es erwarten lässt, dann sicherlich nicht. Ansonsten ist das natürlich möglich. Wir haben ja in Portugal und Irland gesehen, dass es geht. Allerdings darf Griechenland den Kapitalmärkten dann natürlich keine Signale fehlender Glaubwürdigkeit senden.

Unternehmensfinanzierung: Zinserhöhung träfe Firmen hart
Pressemitteilung, 20. September 2017

Daniel Bendel / Markus Demary / Michael Voigtländer Unternehmensfinanzierung: Zinserhöhung träfe Firmen hartArrow

Derzeit liegen die Zinsen im Euroraum auf einem Tiefststand. Sollte sich die Europäische Zentralbank (EZB) von ihrer expansiven Geldpolitik verabschieden, könnten viele Firmen in finanzielle Schwierigkeiten kommen, zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). mehr

IW-Report
IW-Report, 18. September 2017

Daniel Bendel / Markus Demary / Michael Voigtländer How do higher interest rates impact companies’ financial situation?Arrow

Companies’ access to finance has an important impact on their profitability and growth prospects. Without external financing, most firms are not able to invest, which is a prerequisite for economic growth. Unlike in the US, which has a capital market-based financial system, banks are the dominant lenders for firms in the Eurozone. mehr

14. September 2017

Interview mit Markus J. Beyrer „Die Freiheiten in der EU fallen nicht von den Bäumen“Arrow

Die künftige Bundesregierung muss die Fahne des Freihandels hochhalten und sollte den vorhandenen finanziellen Spielraum für mehr Investitionen nutzen, sagt Markus J. Beyrer im iwd-Interview. Der Österreicher ist Generaldirektor der europäischen Vereinigung der Industrie- und Arbeitgeberverbände BusinessEurope, zu dessen Mitgliedern die deutschen Organisationen BDA und BDI gehören. mehr auf iwd.de