Kann uns die Griechen-Pleite egal sein? Image
In jeder Krise liegt die Chance für neue Lösungen Quelle: anastasios71 Fotolia

Was bedeutet eine Griechen-Pleite für die Steuerzahler in Deutschland?

Zunächst nichts, da die Tilgungsverpflichtungen an die europäischen Partner über die entsprechende Hilfspakte und Fonds eher erst nach 2020 beginnen. Im November 2012 sind diese Schulden auf 30 Jahre Laufzeit verlängert und der Zinssatz reduziert worden. Das sollte Griechenland mittelfristig eigentlich bedienen können.

Wäre eine Pleite Griechenlands konkret für uns im Alltag spürbar?

Kurzfristig an den Aktienkursen, mittelfristig kaum, da die Weltwirtschaft in ihrem Grundtakt robust ist und Griechenland realwirtschaftlich unbedeutend ist. Weniger als 3 Prozent des europäischen Bruttoinlandsprodukts können weder Deutschland noch die EU auf Dauer belasten.

Kann also Otto-Normalverbraucher eine mögliche Griechen-Pleite egal?

Egal vielleicht nicht, weil es natürlich letztlich um die Verfassung und Zukunft Europas geht. Aber für Panik gibt es keinen Grund und in jeder Krise liegt auch die Chance für neue Lösungen. Insofern kann man das Ganze, so misslich es vor allem für die Griechen ist, auch als gebotene Reinigungskrise verstehen.

Muss die deutsche Wirtschaft Angst vor einer Insolvenz haben?

Griechenland ist kein bedeutsamer Handelspartner für die deutsche Wirtschaft, jedenfalls kann das leicht ausgeglichen werden. Ein Halten Griechenlands in der Eurozone um jeden Preis hätte wegen der Vertrauensverluste in die europäischen Krisenpolitik möglicherweise gravierende Wirkungen.

Wie lange würde ein Austritt Griechenlands aus dem Euro dauern?

Schwer zu sagen. Ein solcher Austritt – zumal bei diesen Umständen – ist als fundamentales Politikversagen in Griechenland über Vertrauensverluste sehr nachhaltig. Glaubwürdigkeit entsteht nur langsam und erst recht nicht mit den Politikern, die den Vertrauensbruch zu verantworten haben. Griechenland könnte als „gescheiterter Staat“ (failed state) gelten. Dann wird es ein langer Gang ins Verderben. Sicherlich würde Europa das nicht ignorieren können.

Wären soziale Unruhen in Griechenland zu befürchten?

Das ist vor allem dann nicht auszuschließen, wenn die elementaren staatlichen Funktionen nicht mehr gesichert werden können. Bei einem Zusammenbruch des Geldkreislaufes ist das durchaus wahrscheinlich.

Gibt es noch eine Rettungschance für die Griechen?

Nur wenn die griechische Regierung zu einer Kooperationsstrategie zurückkehrt, alle Schuld bei den anderen zu suchen und aufhört, die Partner in Europa „hinter die Fichte zu führen“.

Das Interview auf express.de

Ansprechpartner

Deutschland hat die erste Welle der Brexit-Wirkungen hinter sich
IW-Kurzbericht, 28. März 2017

Jürgen Matthes / Berthold Busch Deutschland hat die erste Welle der Brexit-Wirkungen hinter sichArrow

Nach der Erklärung von Artikel 50 wird es ernst. Während die kurzfristigen Brexit-Wirkungen auf das UK bisher erstaunlich gering blieben, sind die deutschen Exporte in das UK seit dem Referendum deutlich gesunken. Damit dürfte das Gros der Kurzfrist-Wirkungen aber bereits bewältigt sein, ohne dass dies die stabile deutsche Wirtschaft aus dem Tritt gebracht hat. mehr

Öffentliche Verschuldung
IW-Nachricht, 28. März 2017

Öffentliche Verschuldung Rekordeinnahmen versandenArrow

Bund, Länder, Gemeinden und Sozialkassen nahmen 2016 rund 24 Milliarden Euro mehr ein als sie ausgaben – ein neuer Rekord. Trotzdem bleibt der öffentliche Schuldenstand nahezu unverändert hoch. Die Politik sollte die derzeitigen Überschüsse nutzen, um für langfristige Herausforderungen gewappnet zu sein – etwa durch einen Demografie-Fonds. mehr