Teilen ist das neue Haben Image
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Als Verhaltensökonomin beschäftigen Sie sich ja damit, wie sich Menschen auf Märkten verhalten, also den realen und virtuellen Märkten. Wie ist das nach Ihren Erkenntnissen: Gibt es immer mehr Menschen, die teilen und tauschen?

Es ist natürlich so, dass die Menschen schon immer geteilt haben. Er hat schon immer mal seine CDs getauscht oder Urlaubsfotos mit Freunden geteilt. Was wir jetzt aber feststellen konnten, ist, dass die Vernetzung viel schneller funktioniert. Also die Geschwindigkeit und das Ausmaß des Teilens haben ganz enorm zugenommen. Das funktioniert, weil wir alle ein Smartphone haben, wir haben alle ein Handy, was ins Internet gehen kann, und so funktioniert es viel einfacher, mit seinen Freunden oder auch fremden Menschen Gegenstände und Wissen zu teilen. Aber auch die Vernetzung zwischen Verbrauchern und Unternehmen funktioniert so viel einfacher und schneller.

Betrifft das denn alle materiellen und immateriellen Güter, oder was tauschen und teilen die Menschen besonders gern und was gar nicht?

Man kann fast alles tauschen oder leihen – von der Bohrmaschine bis zum Brautkleid – das sind ja Gegenstände, die wir im Leben nur einige Stunden benutzen, aber genau deswegen bietet es sich an, sich das mit anderen Menschen zu teilen. Wissen, also Know How, wird im Internet geteilt. Ich kann dort nachschauen, wie ich meine Tomaten auf dem Balkon am besten dünge. Aber die ganz großen Trends sind dann, dass sich die Art, wie wir konsumieren, verändert – beispielsweise beim Car Sharing oder beim Wohnungstausch. Wir teilen und besitzen die Güter nur noch für einen kurzen Zeitraum und müssen sie nicht selber kaufen.

Also geht es hauptsächlich um Kosteneinsparung, oder welche Gründe haben Menschen zu teilen und zu tauschen?

Beim Car Sharing kann es einfach ökonomisch sinnvoll sein, man spart Kosten. Das sind hauptsächlich Menschen in Großstädten, die vielleicht sowieso Schwierigkeiten haben, einen Parkplatz zu finden. Durch das Car Sharing können sie dann auch noch verschiedene Kosten einsparen, also beispielsweise Versicherungskosten. Da muss man sich nicht drum kümmern. Auch Benzinkosten fallen weg oder Parkplatzgebühren. Man kann also kleine Rechnungen beim Car Sharing anstellen: Wenn man ein Auto zum Beispiel weniger als 10.000 Kilometer im Jahr nutzt, dass es dann schon sinnvoll sein kann, nicht das eigene Auto zu fahren – aber eben nur ökonomisch sinnvoll. Das heißt nicht, dass es nicht noch die Autoliebhaber gibt, die lieber ihr eigenes Auto besitzen möchten.

Dann haben Sie gesagt, dass Share Economy hauptsächlich über Smartphones und Internet funktioniert. Heißt das, es gibt so etwas wie einen Generationenunterschied, dass Jüngere, die internetaffiner sind, mehr teilen und tauschen als Ältere, stimmt das?

Das kann man schon so sagen. Die Generationen, die mit dem Internet, mit dem Handy und mit dem Smartphone aufgewachsen sind, die stehen dem Trend viel offener gegenüber, die nutzen den Trend auch viel mehr. Also die Generation Y und die Generation Z, also die neuen Jungen, das sind auch die, die Startups gründen, die sich in dieser Share Economy bewegen.

Was würden Sie sagen, ist das jetzt so etwas wie ein vorübergehender Trend, wie eine Modeerscheinung, oder ist das wirklich eine tiefgreifende soziale Veränderung, auch mit Nachhaltigkeit für die nächsten Jahrzehnte und für die nächste Generation?

Das ist ein Trend, der wirklich lang anhaltend ist. Zwei Faktoren sind da wichtig – einmal die schnelle Vernetzung über das Internet und die mobilen Geräte. Menschen, die am Internet teilnehmen, können sich den Parkplatz aussuchen, wo ein Car-Sharing-Angebot steht. Der zweite Faktor ist die Vertrauenskultur – wenn Sie Ihre Wohnung oder Ihr Auto an fremde Menschen verleihen, dann geht das nur, wenn Sie den anderen Menschen auch vertrauen. In Deutschland haben wir festgestellt, dass das Vertrauen stark angestiegen ist. Nicht nur zu Freunden und der Familie, sondern auch zu anderen Menschen, die wir noch gar nicht kennen. Ohne diese beiden Faktoren und Umstände wird es sehr schwierig sein, dass sich der Trend weiterentwickelt.

Das Interview zum Anhören auf kulturradio.de

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