Herr Lesch, wer ist der Gewinner bei diesem Abschluss?

Beide. Die Arbeitnehmer bekommen eine Lohnerhöhung, die ist allerdings ziemlich moderat. Die Einmalzahlung von 320 Euro für dieses Jahr ist, berechnet auf das Durchschnittstarifgehalt eines Metallarbeiters von 42 900 Euro, weniger als ein Prozent. Und im kommenden Jahr gibt es zwar im April die Erhöhung um 2,7 Prozent, die ersten drei Monate gibt es aber erst einmal gar nichts. Die Belastung für die Arbeitgeber hält sich dadurch in Grenzen. Vor allem die lange Laufzeit über zwei Jahre ist für sie ein Vorteil, sie können so gut planen.

Also siegen doch die Arbeitgeber?

Die Kurzarbeit kostet die Arbeitgeber ja auch Geld. Sie müssen auch bei Kurzarbeitern die vollen sechs Wochen Urlaub zahlen. Und die Arbeitnehmer bekommen Jobsicherheit.

Das gilt zunächst nur für die Kurzarbeiter.

Das stimmt. Unternehmen, die das wollen, haben weiterhin die Flexibilität, zu entlassen, zumindest diejenigen, die nicht in Kurzarbeit sind.

Die Parteien haben sich in einer Woche geeinigt. Wie war das möglich?

Die schnelle, vorgezogene Einigung war taktisch sehr klug. Denn so setzen die Tarifpartner die Politik unter Zugzwang. Sie hatten also ein großes Interesse daran.

Weil der Abschluss unter dem Vorbehalt steht, dass Kurzarbeit bis Mitte 2012 gefördert wird.

Genau. Jetzt steht die Politik quasi unter moralischer Verpflichtung, dem zuzustimmen. Sonst platzt ja der ganze Deal wieder. Und der Schuldige steht dann fest.

Ist die Beteiligung des Staates nicht problematisch?

Man kann das ein informelles Bündnis für Arbeit nennen, es ist die Fortführung dessen, was 2008 begonnen wurdeDie Krise wurde gemeinsam von Gewerkschaften, Arbeitgebern und der Politik gemanagt. Ich habe kein Problem damit, weil die Unternehmen durch Kurzarbeit finanziell belastet werden und die Arbeitnehmer einen Verdienstausfall haben. Jeder trägt einen Teil der Last.

Nun muss noch die Konjunktur anspringen.

Je länger die Kurzarbeit staatlich gefördert wird, desto größer ist die Gefahr, dass sie sich strukturkonservierend auswirkt, obwohl die Strukturen sich eigentlich anpassen müssten. Aber der Deal ist ja bis Mitte 2012 befristet.

IconArtikel im Original | PDF

Arndt Kirchhoff im Kölner Stadt-Anzeiger
Interview, 20. November 2017

Arndt Kirchhoff im Kölner Stadt-Anzeiger „Dreht uns nicht den Saft ab” Arrow

Arndt Kirchhoff, IW-Präsident und Chef des Autozulieferers Kirchhoff, äußert sich im Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger über Energie, notwendige Investitionen in die Infrastruktur des Landes und den Tarifstreit. mehr

25. Oktober 2017

Hagen Lesch Tariflöhne: Die Industrie prescht vorArrow

Die IG Metall fordert für die anstehende Tarifrunde in der Metall- und Elektro-Industrie Lohnsteigerungen von 6 Prozent sowie die Möglichkeit einer reduzierten Vollzeit. Ein Tariflohnvergleich zeigt, dass die M+E-Industrie seit der Jahrtausendwende vielen Branchen davongeeilt ist. mehr auf iwd.de

10. Oktober 2017

Hagen Lesch Reallöhne: Arbeitnehmer im PlusArrow

Dass sich Deutschlands gute Wirtschaftslage nicht in den Geldbeuteln der Arbeitnehmer niederschlage, ist ein oft zu hörender Vorwurf – insbesondere aus dem Gewerkschaftslager. Doch die Zeiten sinkender Reallöhne sind lange vorbei. mehr auf iwd.de