Die Franzosen schimpfen über die Exportstärke der deutschen Wirtschaft – sie gehe zu Lasten anderer Länder in der Eurozone. Ist der Vorwurf berechtigt?

Die Klage ist absurd, das wissen auch die Franzosen. Vor einiger Zeit hat Staatspräsident Sarkozy gefordert, die französischen Autobauer sollten nur noch bei heimischen Zulieferern kaufen. Da mussten die Chefs von Renault & Co. abwinken: Ohne Teile aus Deutschland fahren ihre Autos nicht.

Deutsche Unternehmen machen auch deshalb glänzende Geschäfte, weil die hiesigen Löhne seit Jahren schwächer steigen als anderswo. Ein Preiswettlauf, der offenbar auch Verlierer produziert – zum Beispiel Griechenland.

Es gab kein Lohndumping in Deutschland. Wir haben trotz der moderaten Zuwächse in den vergangenen 13 Jahren noch immer die dritthöchsten Lohnkosten in Europa. Deutsche Unternehmen sind international erfolgreich, weil sie Qualität bieten, weil sie innovativ sind, weil sie hochwertige Produkte schaffen. Das Preisniveau ist nicht entscheidend.

Heißt das, wir müssen hinnehmen, dass der Handel in der Euro-Zone Gewinner und Verlierer produziert – auch wenn das den Euro immer mehr belastet?

Die Länder Südeuropas, die jetzt unter hohen Schulden leiden, Spanien, Portugal, Griechenland, haben alle von der Einführung des Euro profitiert. Die Zinsen waren niedrig, Schulden günstig. Das Geld aber ist hauptsächlich in den Konsum geflossen. Südeuropa hat über seine Verhältnisse gelebt, während Deutschland schmerzhafte Reformen am Arbeitsmarkt ertragen musste. Es ist an der Zeit, dass die Schuldensünder wettbewerbsfähiger werden. Die Löhne sollten langsamer steigen als die Produktivität.

Reicht es, dass Deutschland als kluger Ratgeber auftritt?

Die EU überweist in die Länder Südeuropas viel Geld, als Strukturbeihilfen, das soll den Unternehmen helfen. Deutschland ist größter Nettozahler in Brüssel. Da sage noch einer, wir würden auf Kosten anderer leben.

Frankreichs Finanzministerin Lagarde fordert, Deutschland solle die Binnennachfrage stärken – dann könnten auch Unternehmen aus dem europäischen Ausland hierzulande mehr verkaufen.

Es ist nicht so, dass der Konsum bei uns am Boden liegt. Außerdem vergisst Frau Lagarde, dass viele deutsche Unternehmen nur Arbeitsplätze schaffen und Löhne zahlen, wenn sie international wettbewerbsfähig sind. Eine bewusste Schwächung der Exportindustrie würde Jobs vernichten. Das wäre verheerend. Die deutsche Exportstärke ist ein Erfolgsmodell.

Finanzminister Schäuble will einen Europäischen Währungsfonds (EWF) installieren, um Schuldenstaaten im Notfall zu helfen. Sinnvoll?

Der EWF ist ein zweischneidiges Schwert. Es ist ein fatales Signal, wenn die EU durchblicken lässt, dass sie Schuldensündern im Zweifel beispringt. Länder wie Griechenland müssen sich selbst helfen. Andererseits soll der EWF einen Rauswurf aus der Eurozone möglich machen. Das ist ein richtiger Ansatz. Der Rauswurf ist eine wichtige Sanktionsandrohung.

Arndt Kirchhoff im Kölner Stadt-Anzeiger
Interview, 20. November 2017

Arndt Kirchhoff im Kölner Stadt-Anzeiger „Dreht uns nicht den Saft ab” Arrow

Arndt Kirchhoff, IW-Präsident und Chef des Autozulieferers Kirchhoff, äußert sich im Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger über Energie, notwendige Investitionen in die Infrastruktur des Landes und den Tarifstreit. mehr

14. November 2017

Cornelius Bähr M+E-Industrie: Wettbewerb im WandelArrow

Durch die Globalisierung wurden die Karten auf den Gütermärkten neu gemischt. In der Metall- und Elektro-Industrie konnten neue Wettbewerber substanziell Marktanteile hinzugewinnen. Deutschland hat durch eine hohe Exportorientierung und eine starke Integration in grenzüberschreitende Produktionsnetzwerke seine gute Position gehalten. mehr auf iwd.de

25. Oktober 2017

Hagen Lesch Tariflöhne: Die Industrie prescht vorArrow

Die IG Metall fordert für die anstehende Tarifrunde in der Metall- und Elektro-Industrie Lohnsteigerungen von 6 Prozent sowie die Möglichkeit einer reduzierten Vollzeit. Ein Tariflohnvergleich zeigt, dass die M+E-Industrie seit der Jahrtausendwende vielen Branchen davongeeilt ist. mehr auf iwd.de