Es gibt keinen Nachholbedarf Image
Quelle: Fotolia

Hat Brüderle Recht, wenn er jetzt kräftige Lohnerhöhungen fordert?

Nein, dafür ist nicht der richtige Zeitpunkt. Wir haben in den beiden Krisenjahren 2008 und 2009 Lohnerhöhungen gehabt, obwohl die Produktion stagnierte oder gesunken ist. Die Zuwächse waren ordentlich und führten angesichts der geringen Preissteigerung auch zu höheren Reallöhnen. Daneben profitieren die Beschäftigten von der Rückführung der Kurzarbeit.

Brüderle zufolge müssen die Löhne steigen, um die Arbeitsplätze in Deutschland attraktiv zu halten.

Die Lohnentwicklung sollte sich danach richten, was verteilbar ist. Wir haben das Vorkrisenniveau noch nicht wieder erreicht. In einigen Branchen wie der Stahlindustrie mag das der Fall sein, aber nicht in der Breite. Es gibt daher nichts Zusätzliches zu verteilen.

Die Gewerkschaften verweisen auf die Lohnzurückhaltung in der Krise und sehen jetzt Nachholbedarf.

Nein, den gibt es nicht. Es gab zwar maßvolle Tarifabschlüsse, aber bei rückläufiger Produktion. Eigentlich hätten die Löhne in der Krise sinken müssen. Das ist nicht passiert und das war auch vernünftig so. Aber nun dürfen die Lohnforderungen auch nicht überschießen.

Ist es nicht wichtig, durch höhere Gehälter die Binnennachfrage zu stützen?

Die Binnennachfrage wird durch die Entwicklung von Löhnen und Beschäftigung stimuliert. Eine positive Beschäftigungsentwicklung ist nach meiner Einschätzung jetzt wichtiger. Was nützt es, wenn die Löhne steigen und Jobs verloren gehen. Löhne sind nicht nur Kaufkraft, sondern Kosten für die Unternehmen.

IconArtikel im Original | PDF

Arndt Kirchhoff im Kölner Stadt-Anzeiger
Interview, 20. November 2017

Arndt Kirchhoff im Kölner Stadt-Anzeiger „Dreht uns nicht den Saft ab” Arrow

Arndt Kirchhoff, IW-Präsident und Chef des Autozulieferers Kirchhoff, äußert sich im Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger über Energie, notwendige Investitionen in die Infrastruktur des Landes und den Tarifstreit. mehr

25. Oktober 2017

Hagen Lesch Tariflöhne: Die Industrie prescht vorArrow

Die IG Metall fordert für die anstehende Tarifrunde in der Metall- und Elektro-Industrie Lohnsteigerungen von 6 Prozent sowie die Möglichkeit einer reduzierten Vollzeit. Ein Tariflohnvergleich zeigt, dass die M+E-Industrie seit der Jahrtausendwende vielen Branchen davongeeilt ist. mehr auf iwd.de

10. Oktober 2017

Hagen Lesch Reallöhne: Arbeitnehmer im PlusArrow

Dass sich Deutschlands gute Wirtschaftslage nicht in den Geldbeuteln der Arbeitnehmer niederschlage, ist ein oft zu hörender Vorwurf – insbesondere aus dem Gewerkschaftslager. Doch die Zeiten sinkender Reallöhne sind lange vorbei. mehr auf iwd.de