Europas Stabilitätskultur ist in Gefahr Image
Quelle: Fotolia

Herr Professor Fuest, wie groß ist die Inflationsgefahr in Deutschland?

Die Inflationsgefahren sind zu Beginn des Jahres 2011 drastisch gestiegen. Das Statistische Bundesamt hat im Januar mitgeteilt, dass die Preisentwicklung im Januar die 2-Prozentmarke überschritten hat. Damit ist die Marke erreicht, ab der Fachleute von Inflation sprechen.

Deutsche Bank-Chefvolkswirt Mayer hält gar eine Inflation von 4 Prozent für möglich. Halten Sie das für realistisch?

Das halte ich für überzogen.

Warum?

Inflations-Treiber sind Preisschübe bei Energie, Nahrungsmitteln und Rohstoffen gewesen. Dahinter stecken

1. eine wachsende Nahrungsmittelnachfrage als Folge einer vor allem in Asien und Afrika wachsenden Weltbevölkerung bei gleichzeitiger Verknappung des Angebots in Folge von Naturkatastrophen,

2. ein steigender Rohstoff- und Energiebedarf der Weltwirtschaft,

3. eine zeitweise Schwäche des Euro gegenüber dem Dollar, was sich insbesondere beim Ölpreis ausgewirkt hat, der am Weltmarkt in Dollar gerechnet wird. Die Entwicklungen haben sich hier aber weitgehend beruhigt. Zudem hat der Euro gegenüber dem Dollar wieder Boden gut gemacht. Mittelfristig drohen aber nach wie vor erhebliche Inflationsrisiken.

Wodurch?

In der zurückliegenden Krise haben Staaten in aller Welt viel Geld in die notleidende Wirtschaft gepumpt. Das war grundsätzlich richtig, weil die Krise sonst noch schlimmer ausgefallen wäre. Dadurch ist jedoch heute zu viel Geld im Umlauf. Jetzt muss eine Exit-Option geschaffen werden, um die überbordende Geldmenge wieder einzusammeln. Da tut sich die Politik derzeit schwer. Die Stabilitätskultur in Europa ist in Gefahr. Ein Indiz ist die Tatsache, dass Bundesbankchef Weber, ein Verfechter der Geldwertstabilität, in Europa als EZB-Chef politisch nicht mehr vermittelbar ist. Wir dürfen nicht zulassen, dass wir einen EZB-Chef von Gnaden der PIIGS-Staaten bekommen.

Wie kann und muss man diesen mittelfristigen Inflationsrisiken begegnen?

Da sind mehrere Akteure in der Verantwortung:

1. die EZB: Sie muss auf mittlere Sicht den Leitzins anheben: Sie ist hier in einer Warteposition. Denn anders als Deutschland sind viele Euro-Staaten nicht nicht so gut aus der Krise in den Aufschwung gestartet.

2. die Politik in Deutschland: Sie muss Investoren und Anlegern durch eine auf Konsolidierung bedachte Finanzpolitik Vertrauen geben. Und sie muss auf europäischer Ebene energisch dafür eintreten, dass nicht noch mehr Dämme der Stabilität brechen als bereits geschehen.

3. die Tarifpartner: Natürlich sollen Arbeitnehmer in der kommenden Tarifrunde am Aufschwung beteiligt werden. Ich warne aber davor, die wieder steigende Produktivität in den Betrjeben voll auf die Löhne umzulegen oder unter Verweis auf Lohnzurückhaltung in der Krisenzeit gar darüber hinaus zu gehen. Das könnte eine unselige Lohn-Preisspirale in Gang setzen, wie wir sie aus den 70er Jahren kennen als beispielsweise im Öffentlichen Dienst zweistellige Tarifabschlüsse gab. Allerdings haben die Gewerkschaften nach meinem Eindruck aus den Problemen damals gelernt.

In der Falle der niedrigen Zinsen
Gastbeitrag, 27. April 2017

Hubertus Bardt auf n-tv.de In der Falle der niedrigen ZinsenArrow

Die Europäische Zentralbank berät wieder über die Leitzinsen. Sie werden wohl auf ihrem Rekordtief bleiben. Durch diese Politik gerät das zentrale Problem im Euroraum in Vergessenheit: die extrem hohen Staatsschulden. Ein Gastkommentar auf n-tv.de von Hubertus Bardt, Geschäftsführer im Institut der deutschen Wirtschaft Köln. mehr

Inflation
IW-Nachricht, 2. März 2017

Rückkehr der Inflation Frühzeitig gegensteuernArrow

Im Euroraum ist die Inflation zurück: Nach einer Schätzung von Eurostat lag die jährliche Teuerungsrate im Februar bei 2,0 Prozent. Dafür sind nicht nur die anziehenden Energiepreise verantwortlich, sondern auch die schon länger steigende Kerninflationsrate. Die EZB sollte deshalb geldpolitisch gegensteuern. mehr

IW-Kurzbericht, 16. Februar 2017

Markus Demary The End of Low Interest Rates?Arrow

After the economic recovery has strengthened and inflation rates have increased, hopes for higher interest rates emerged among savers, while debtors began to fear higher financing costs. This article argues, that there is room for higher interest rates, but this room is small compared to historical interest rate levels. mehr