Griechenland vor einem langen Prozess Image
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Ist in der Griechenland-Frage eine Lösung in Sicht?

Am Anfang muss erst einmal ein ehrlicher Befund stehen. Aber was mir in der deutschen Debatte im Moment auffällt: Es wird weder von den Medien noch von der Politik ausreichend gewürdigt, was dort gemacht wurde. Im OECD-Frühjahrsausblick wird darauf hingewiesen, dass Griechenland sein Defizit im vergangenen Jahr um fünf Prozent reduziert hat. In einem Jahr! Das ist in 30 Jahren zuvor keinem Land gelungen. Im Jahr 2012 ist ein Ausgleich des konjunkturbereinigten Defizits zu erwarten. Das muss man sehen, und da ist es kontraproduktiv, wenn man stattdessen irgendwelche Sprüche über die Länge von Urlauben in die Diskussion wirft.

Gibt es denn keine Unzulänglichkeiten?

Doch, natürlich. Aber erst, wenn man das Erreichte würdigt, hat man den Hebel, um auch die Unzulänglichkeiten zu benennen. Die liegen vor allem in der schleppenden Privatisierung, und zwar von Staatsunternehmen, und nicht etwa von irgendwelchen Inseln. Aber das ist ein langer Prozess, und man wird Griechenland nicht etwa 2013 einfach dem Markt überlassen können.

Welchen Nutzen haben denn unsere Hilfsgelder?

Wenn sie unter strengen Bedingungen vergeben werden, helfen sie beispielsweise, dass die Märkte differenzierter auf das Problem schauen und es bewerten. Mir hat übrigens nie eingeleuchtet, was ein Austritt aus der Währunsunion Griechenland bringen soll. Seit es eine Statistik dazu gibt, seit 1975, hat Griechenland nie einen Leistungsbilanz-Überschuss erzielt. Das würde auch in Zukunft nicht anders, ob mit oder ohne flexible Wechselkurse. Das kann zwar durchaus tragfähig sein – nur dann nicht, wenn eine hohe Auslandsverschuldung herrscht.

Griechenland hat also nicht genug Exportgüter?

Richtig– man "exportiert" Dienstleistungen, also etwa im Tourismus. Griechenland ist kein Industrieland und wird es auch nicht so schnell werden. Aber das Land könnte beispielsweise ein europäischer Standort einer zukünftigen gemeinsamen Energiepolitik werden, etwa für Sonnenenergie. Das würde helfen.

Warum hat man diese Schuldenkatastrophe nicht kommen sehen?

Niemand hat es kommen gesehen. Mit der Währungsunion hatte Griechenland plötzlich einen Vorteil: Man konnte sich günstiger finanzieren. Aber das eingesparte Geld für Schuldzinsen hätte man anlegen oder damit die Schulden tilgen müssen. So wie es andere Länder machen, etwa die Ölstaaten am Golf: Die investieren in die Zukunft, weil klar ist, dass die Einnahmen irgendwann versiegen.

Was folgt daraus für Europa?

Wir müssen umdenken. Besonders bei solchen Ländern, die künftig dazustoßen, denn das werden alles sogenannte nachholende Ökonomien sein. Die werden eine "Beitrittsrendite" haben, also niedrigere Zinsen zahlen als zuvor in Landeswährung. Denen muss man klar sagen: Verprasst das eingesparte Geld nicht!

Wie aber macht man den Leuten begreiflich, dass diese ganzen Hilfsgelder einen Sinn haben?

Sie haben einen Sinn. Allerdings glaube ich, dass es eine Beteiligung privater Gläubiger geben wird. Am besten aber auf freiwilliger Basis, mit Hilfe eines Fonds– auf keinen Fall sollte Griechenland zwangsweise umschulden. Nur so kann man die Bonität des Landes bei den Rating-Agenturen vor einem Absturz bewahren.

Beruhigt das nun die Deutschen wirklich?

Nun ja, statt aufgeheizter Debatten sollten wir mal darauf hinweisen, dass Deutschland nur gewinnt unter dem Strich: Die Währungsunion ist keinesfalls eine "Verschwörung gegen Deutschland", wie man allen Ernstes schon lesen konnte. Angesichts unserer Exportlastigkeit und Stärke wäre es fast richtiger, stattdessen von einem "Trick der Deutschen" zu sprechen– so sehr ziehen wir Nutzen aus dem Euro. Und es soll niemand glauben, wir hätten allein– oder gar bei einem Rückfall in die D-Mark– ein solches Gewicht in der globalisierten Welt wie wir es dank des Euros haben. Alles andere ist eine Schimäre.

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