"Selbstmord aus Angst vor dem Tod" Image
Quelle: Fotolia

Was halten Sie von Papandreous Entscheidung, das Volk zu fragen?

Der Schritt wirkt ein bisschen wie politischer Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Doch klar ist auch: Die griechische Regierung hat große Probleme, die Bevölkerung von ihrem Sparkurs zu überzeugen. Teile der Finanzpolitik wurden bereits schrittweise an die europäischen Partner abgetreten. Diese Bedingung für die Hilfen ist angesichts der schwindenden Akzeptanz in den Zahlerländern politisch ebenso unvermeidbar, wie sie ökonomisch mit Blick auf die Disziplinierung des Schuldners richtig ist.

Doch die finanzpolitische Entmündigung geht weiter. Das ist der Preis für die in der vergangenen Woche gefundene Lösung, letztlich für die Abschirmung des Landes vom Kapitalmarkt. Das Ziel ist, die notwendige Zeit für den Umbau der Staatsfinanzen wie der Volkswirtschaft zu gewinnen. Die griechischen Bürger von dem Sinn dieser Strategie zu überzeugen, bedarf mit Sicherheit einer anderen Beteiligung, als es bisher über das Parlament und die Straße geschah. Insoweit kann man Papandreou verstehen. Doch die Risiken sind erheblich - politisch für ihn, ökonomisch für uns alle.

Was würde ein Nein der Griechen bedeuten?

Bei einem Nein droht das, was die Euro-Partner mit ihren Beschlüssen vermeiden wollten. Die Kreditausfallversicherungen würden greifen, wellenhafte Dominoeffekte durch das Finanzsystem wären zu erwarten. Die Euro-Zone stünde vor einem Scherbenhaufen, denn das Scheitern aller bisherigen Lösungsversuche würde die gemeinsame Währung in ihrer Existenz bedrohen. Die Verunsicherung der Investoren und der Konsumenten - nicht nur in der Euro-Zone - wäre so tiefgreifend, dass ein gravierender Einbruch der Wirtschaftsleistung folgen würde. Der Glaubwürdigkeitsverlust Griechenlands an den internationalen Kapitalmärkten würde die wirtschaftliche Anpassung dramatisch verschärfen und auf Jahre verlängern. Europa müsste einen neuen Antritt finden, die europäischen Verträge müssten neu geschrieben werden. Diese Risiken überwiegen gegenüber dem möglichen Gewinn an politischer Legitimation.

IW-Report
IW-Report, 18. September 2017

Daniel Bendel / Markus Demary / Michael Voigtländer How do higher interest rates impact companies’ financial situation?Arrow

Companies’ access to finance has an important impact on their profitability and growth prospects. Without external financing, most firms are not able to invest, which is a prerequisite for economic growth. Unlike in the US, which has a capital market-based financial system, banks are the dominant lenders for firms in the Eurozone. mehr

14. September 2017

Interview mit Markus J. Beyrer „Die Freiheiten in der EU fallen nicht von den Bäumen“Arrow

Die künftige Bundesregierung muss die Fahne des Freihandels hochhalten und sollte den vorhandenen finanziellen Spielraum für mehr Investitionen nutzen, sagt Markus J. Beyrer im iwd-Interview. Der Österreicher ist Generaldirektor der europäischen Vereinigung der Industrie- und Arbeitgeberverbände BusinessEurope, zu dessen Mitgliedern die deutschen Organisationen BDA und BDI gehören. mehr auf iwd.de

Ein Bärendienst vom EU-Währungskommissar
Gastbeitrag, 12. September 2017

Jürgen Matthes im Weser-Kurier Ein Bärendienst vom EU-WährungskommissarArrow

EU-Währungskommissar Pierre Moscovici hat die Entscheidungsstrukturen beim Hilfsprogramm für Griechenland als „demokratischen Skandal“ bezeichnet. Diese Skandalisierung ist falsch, fehlgeleitet und scheinheilig, kommentiert IW-Währungsexperte Jürgen Mattes im Weser-Kurier. mehr