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(© Foto: Michael Gottschalk/GettyImages)
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Tobias Hentze auf bpb.de Gastbeitrag 20. Dezember 2017

Geflüchtete: Fördern – oder es kann teuer werden

Die Aufnahme und Integration von Geflüchteten kostet viel Steuergeld, schreibt IW-Ökonom Tobias Hentze für die Bundeszentrale für politische Bildung. Damit das nicht versandet, bedarf es gut durchdachter Integrations- und Bildungsangebote.

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Die Aufnahme der in den Jahren 2015 und 2016 nach Deutschland gekommenen 1,2 Millionen Asylsuchenden war kein Abwägen von Chancen und Risiken, sondern ein humanitärer Akt. Mittlerweile ist etwas Zeit seit der Hochphase der Flüchtlingsaufnahme vergangen, gleichzeitig wollen einer Befragung zufolge neun von zehn Menschen, die aufgrund von Krieg und Vertreibung im eigenen Land nach Deutschland geflüchtet sind, hier eine neue Heimat finden. Da stellt sich die Frage, was diese Zuwanderung für die deutsche Volkswirtschaft bedeutet? Dominieren die Chancen oder die Risiken?

Zunächst musste und muss der Staat viel Geld in die Hand nehmen, um die nach Deutschland geflüchteten Menschen aufzunehmen, zu versorgen und in Gesellschaft und Arbeitsmarkt zu integrieren. So kommen 2017 schätzungsweise 20 Milliarden Euro zusammen. Die Summe kann in den kommenden Jahren sogar noch steigen, da viele anerkannte Flüchtlinge zunächst auf Sozialleistungen, also vor allem Hartz IV, angewiesen sein werden. Außerdem kommen Familienangehörige nach, für die das gleiche gilt. Da hilft es auch nur bedingt, dass die zusätzlichen Staatsausgaben wie eine Konjunkturspritze wirken, indem vor allem Bauunternehmen und Bildungseinrichtungen neue Aufträge erhalten, der Einzelhandel mehr umsetzt und so zusätzliche Steuereinnahmen erzielt werden.

Die vergangenen Monate haben gezeigt, dass nur ein geringer Teil der Flüchtlinge schnell einen Arbeitsplatz findet, die Erwerbslosenquote wird bis zum Jahr 2020 vermutlich um etwa 1,5 Prozentpunkte steigen. Und selbst wer zügig einen Job findet, verdient zunächst eher wenig. Denn obwohl etwa jeder Fünfte volljährige Asylantragsteller studiert hat, dauert es, bis sprachliche Hürden abgebaut und spezifische Jobkenntnisse aufgebaut werden. Das Pro-Kopf-Einkommen in Deutschland von durchschnittlich rund 40.000 Euro wird deshalb bis 2020 voraussichtlich um knapp zwei Prozent oder 800 Euro sinken.

Eine höhere Arbeitslosigkeit und eine geringere Wirtschaftskraft je Einwohner – für sich genommen sind das keine guten Nachrichten. Allerdings ist das auch noch kein Grund zur Panik. Denn die Frage, ob die Chancen oder Risiken überwiegen, entscheidet sich erst mittel- bis langfristig. Je besser die Integration in das Bildungssystem und den Arbeitsmarkt gelingt, desto stärker verbessert die Flüchtlingsaufnahme die wirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik auf lange Sicht. Wenn die Politik das Geld also intelligent ausgibt, kann es zum großen Teil wieder hereingeholt werden. Wer einen Job hat, zahlt in der Regel Einkommensteuer und hat mehr Geld zum Ausgeben zur Verfügung. So werden Mehrwertsteuer, Kfz-Steuer, Tabaksteuer und Stromsteuer fällig. Und auch für Kranken- und Rentenversicherung sind neue Beitragszahler ein Segen.

Im besten Fall könnte die Aufnahme der Flüchtlinge so den aufkommenden Fachkräftemangel teilweise abfedern und die Alterung der Bevölkerung zumindest verlangsamen. Ein Vorteil ist, dass viele Flüchtlinge relativ jung sind. Das heißt umgekehrt nicht, dass Deutschland selbst bei erfolgreicher Integration keinen Bedarf mehr an qualifizierter Zuwanderung hätte. Es ist zudem utopisch zu glauben, dass aus jedem Flüchtling der Jahre 2015 und 2016 fünf Jahre später eine auf dem Arbeitsmarkt begehrte Fachkraft geworden ist. Aber die Politik sollte alles dafür tun, dass dies für so viele wie möglich gilt. Sonst wird die Flüchtlingsaufnahme auch auf lange Sicht teuer.

Zum Gastbeitrag auf bpb.de

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