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Michael Grömling in den VDI-Nachrichten Gastbeitrag 23. November 2018

IW-Konjunkturampel: Wirtschaft im Herbstblues

Wachsender Protektionismus, eine mögliche Finanzkrise und eine Bundespolitik, die sich den Zukunftsthemen verweigert – all das schlägt sich in den aktuellen Wirtschaftsdaten nieder, schreibt IW-Konjunkturexperte Michael Grömling in den VDI-Nachrichten.

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In der dunklen Jahreszeit überfällt den ein oder anderen der sogenannte Herbstblues. Man ist dann müde und antriebslos. Offensichtlich gilt das auch für die deutsche Konjunktur. Im dritten Quartal schrumpfte die gesamtwirtschaftliche Leistung. Die IW-Konjunkturampel signalisiert auch für das aktuelle Quartal nur wenig Besserung.

Zum einen sind die Kurven für die harten Indikatoren fast dauerhaft im Seitwärtsgang. Das gilt insbesondere für die Auftragseingänge der Industrie. Bei den Inlandsaufträgen zeigt sich keine Besserung und die Order aus dem Euroraum sind seit Jahresanfang 2018 auf dem Rückzug. Die Bestellungen von außerhalb des Euroraums gehen einmal hinauf und das andere Mal herunter. Die Gesamttendenz zeigt aber auch hier nach unten.

Zum anderen weisen die Umfragen auf eine schlapper werdende Konjunktur in Deutschland hin. Allen voran der Einkaufsmanagerindex. Noch liegt der aktuelle Wert über der Expansionsschwelle von 50, die einen weiteren Auftrieb der Industrie signalisiert. Von Monat zu Monat tastet sich die Erwartungshaltung der Einkaufsprofis in den Unternehmen jedoch an die Stagnationsgrenze heran und der Indexwert lag zuletzt nur noch knapp darüber.

„Eingelullt von der guten Arbeitsmarkt- und Einkommenslage beschäftigt sich die Bundespolitik mit sich selbst.“

Dieser industrielle Herbstblues lässt sich zumindest an zwei Erklärungen festmachen: Das internationale Umfeld lässt keine Aufhellung erkennen. Der Protektionismus der USA und die Gegenmaßnahmen anderer Länder lassen die deutschen Exportbranchen – vor allem die zentrale Automobilindustrie – mit Vorsicht planen und agieren. Zudem trägt der Protektionismus dazu bei, dass die politischen Verwerfungen in einer Reihe von Schwellenländern – der aktuelle Wahlausgang in Brasilien markiert hier ein weiteres geopolitisches Risiko – eher angeheizt werden. Für die globale Investitionstätigkeit ist dies nicht förderlich – und das bekommt Deutschland als ein wichtiger weltweiter Ausrüster zu spüren.

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Dann wären da noch die realwirtschaftlichen Gefahren einer neuen Finanzmarktkrise. Am Schalter sitzen die Italiener mit ihrem Konfrontationskurs gegen Europa sowie die Briten, falls der Brexit zu einem heillosen Durcheinander verkommt. Neben Ansteckungseffekten an den Aktien- und Immobilienmärkten kann sich dadurch das Investitionsklima in ganz Europa abkühlen und die wirtschaftliche Dynamik empfindlich dämpfen.

Zudem lässt die Wirtschaftspolitik in Deutschland keine Zukunftsorientierung erkennen. Dies hat erst jüngst der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung diagnostiziert.

Eingelullt von der guten Arbeitsmarkt- und Einkommenslage beschäftigt sich die Bundespolitik mit sich selbst und der Gegenwart. Die Wirtschaftsweisen machen deutlich, dass wichtige Zukunftsthemen – vor allem der demografische Wandel und die fortschreitende Digitalisierung – politisch nicht ernsthaft adressiert werden. Die Firmen merken, dass wichtige Weichen etwa in der Renten- und in der Energiepolitik offensichtlich falsch gestellt werden. Entsprechend antriebslos bleibt die Wirtschaft – in der IW-Konjunkturampel steht für Deutschland kein Feld mehr auf Grün.

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