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Michael Grömling in den VDI Nachrichten Gastbeitrag 23. April 2021

Konjunkturampel: Erholung der Investitionen absichern

Die Konsumkonjunktur in Deutschland hat sich auf Grund der wieder steigenden Infektionen und der folgenden Restriktionen eingetrübt. Aber die industriellen Kennzahlen haben sich deutlich verbessert, führt IW-Konjunkturexperte Michael Grömling in einem Gastbeitrag für die VDI Nachrichten aus.

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Bei vielen Indikatoren der IW-Konjunkturampel waren in den letzten Monaten spürbare Verbesserungen eingetreten. Das gilt vorwiegend für die industriellen Kennziffern. Dagegen hat sich die Konsumkonjunktur wieder eingetrübt. Die neue Infektionswelle und die darauf reagierenden Restriktionen in Teilen des Handels und der Dienstleistungen machen die Corona-Krise mittlerweile zu einer Konsumkrise. Nach dem Rückgang in Höhe von gut 6 Prozent in 2020 wird der Konsum im Jahr 2021 voraussichtlich stagnieren. Das liegt am Einbruch im Winterhalbjahr 2020/2021 und den nunmehr auch absehbaren Belastungen im zweiten Quartal. Für das zweite Halbjahr 2021 wird zwar eine starke Erholung infolge der unterstellten Impferfolge und der hohen Sparpolster erwartet. Sie wird aber nicht ausreichen, um die konsumtive Jahresbilanz nennenswert ins Plus zu bringen. Eine direkte Konsumstimulierung – etwa über niedrigere Mehrwertsteuern oder Konsumgutscheine – dürfte derzeit wenig bringen. Nur eine konsistente Pandemiestrategie und offene Konsummöglichkeiten helfen, dass sich der aufgestaute Konsum entladen kann.

Bei den Investitionen wird in Deutschland in diesem Jahr das Vorkrisenniveau von 2019 wohl nicht erreicht. Zwar hat sich der Welthandel trotz der in vielen Ländern hartnäckigen Pandemie kräftig erholt – und damit hat sich auch das Investitionsklima in Deutschland aufgehellt. Der Weltwirtschaftsimpuls hat sich bislang in hohem Maß, aber nicht vollumfänglich auf das deutsche Auslandsgeschäft übertragen. Die globalen Investitionen sind insgesamt noch zurückhaltend, ziehen sie im Jahresverlauf 2021 aber weiter an, dann wird dies auch die deutschen Exporte weiter antreiben. Dazu müssen weiterhin kräftige Impulse aus den USA und Asien kommen und die Schwäche der europäischen Investitionstätigkeit muss sich zurückbilden. Zudem darf die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie – durch Arbeitskosten- oder Wechselkursschocks – nicht geschwächt werden. Die jüngsten Tarifabschlüsse in der Metall- und Elektroindustrie schaffen jedenfalls Zuversicht. 

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Die im Frühjahr 2020 entstandene Investitionslücke in Deutschland konnte zwar schon im dritten Quartal 2020 halbiert werden. Seitdem kamen die Ausrüstungsinvestitionen aber nicht mehr von der Stelle und sie werden nach wie vor von den Pandemiebedingten Verunsicherungen zurückgehalten. Diese resultieren weniger aus dem globalen Umfeld. Vielmehr wird ein Teil der Firmen weiterhin ihre Liquiditätspositionen zu Lasten der Investitionen absichern. Mit der für das zweite Halbjahr 2021 erwarteten breitenwirksamen Erholung in Deutschland – vor allem beim Konsum und in den damit verbundenen Wirtschaftsbereichen – kann auch die Investitionstätigkeit im Inland einen kräftigen Schub erfahren. Der Zuwachs in 2021 wird gleichwohl nicht ausreichen, um die Investitionslücke vom Vorjahr – die realen Ausrüstungsinvestitionen sanken 2020 um gut 12 Prozent – zu schließen. Frühestens im Jahr 2022 wird dies zu schaffen sein. Und dies setzt verlässliche und investitionsfreundliche Rahmenbedingungen am Standort Deutschland voraus. Dazu zählen wettbewerbsfähige Steuersätze und Energiekosten sowie angemessene Investitions- und Innovationsbedingungen, um die strukturellen Herausforderungen durch Digitalisierung und Dekarbonisierung zu bewältigen. Die notwendige Erholung der Investitionen muss durch die Wirtschaftspolitik zeitkonsistent abgesichert werden – um langfristige Schäden am Wachstumspotenzial der deutschen Wirtschaft zu vermeiden.

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