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(© Foto: iStock)
Michael Grömling in den VDI-Nachrichten Gastbeitrag 29. Mai 2020

IW-Konjunkturampel: Der Investitionsschock und die Folgen

Die Coronakrise wird noch im nächsten Jahr zu spüren sein. Die Politik muss gegensteuern, schreibt IW-Konjunkturexperte Michael Grömling in einem Gastbeitrag für die VDI-Nachrichten.

Die Corona-Pandemie trifft die Welt mit multiplen Angebots- und Nachfrageschocks zugleich. Zulieferungen stocken und Mitarbeiter fehlen. Die Nachfrage aus dem In- und Ausland geht in Teilen der deutschen Wirtschaft abrupt zurück. Das gab es in der Breite, Heftigkeit und Schnelligkeit noch nie.

Die IW-Konjunkturampel bildet dieses ökonomische Desaster mittlerweile ab, die meisten Indikatoren haben sich deutlich verschlechtert. Das relativ gute Bild für den Euroraum ergibt sich aus der verzögerten Verfügbarkeit einzelner Daten. Und das Rot wird sich so schnell nicht aus der Ampel verflüchtigen.

Die Daten der wöchentlichen IW-Konjunkturumfrage bei Unternehmen zeigen, dass in der kurzen und mittelfristigen Sicht kein Unterschied bei den negativen Erwartungen besteht. Knapp zwei Drittel der Firmen sehen aktuell und auch für 2021 starke Auswirkungen der Pandemie.

Die Erholung wird nach den starken Beeinträchtigungen im zweiten Quartal wahrscheinlich noch weite Teile des kommenden Jahres in Anspruch nehmen. Beim Konsum ist eine schrittweise Normalisierung in diesem und im nächsten Jahr möglich. Das hängt vom Pandemieverlauf, den damit verbunden Restriktionen, der Arbeitsmarkt- und Einkommensentwicklung sowie der Konsumlaune ab. Bei den Investitionen sind längere Verwerfungen denkbar.

Eine entscheidende Rolle spielen die Perspektiven für die Weltwirtschaft. Der Lockdown rund um den Globus hat die Investitionsneigung schwer geschädigt. Und dies trifft das stark auf moderne Investitionsgüter ausgerichtete deutsche Geschäftsmodell besonders heftig. Eine vorübergehende und in Teilen notwendige Verschiebung von investiven hin zu konsumtiven Staatsausgaben verstärkt die globale Investitionsschwäche.

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Nicht zuletzt ist der globale Güteraustausch nach wie vor durch den Protektionismus beeinträchtigt. Dieser lähmt die gerade jetzt notwendige Pflege globaler Wertschöpfungsketten und damit der Investitionsgüternachfrage. Die Erholung der Investitionstätigkeit hängt auch von der weltweiten Insolvenzentwicklung und der Finanzmarktstabilität ab.

Dieses schwache globale Umfeld dämpft auch die Investitionsanreize in Deutschland. Bei der Kapazitätsauslastung tun sich in Teilen der Industrie neue Abgründe auf. Anziehende Insolvenzzahlen können zusätzlich die Investitionen bremsen. Die bislang in Teilen gute Eigenkapitalausstattung der Unternehmen wird in diesem Jahr empfindlich geschliffen. Den Impulsen infolge anhaltend niedriger Zinsen stehen möglicherweise konjunkturbedingte Einschränkungen bei der Kreditvergabe gegenüber.

Die Wirtschaftspolitik muss das Überleben von Unternehmen priorisieren, um einen langwierigen Investitionsschock zu vermeiden. Die kurzfristigen Liquiditätshilfen waren hierfür richtig. Steuerpolitisch muss nachgelegt werden, etwa mit einer negativen Einkommensteuer zur Bewältigung der coronabedingten Verluste, einer Absetzbarkeit von Tilgungsleistungen für Corona-Kredite, einer Erleichterung von Abschreibungsbedingungen sowie mittelfristig zusätzlichen Impulsen für Innovationen.

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