1. Home
  2. Presse
  3. In den Medien
  4. Ein Schuldenschnitt ist nicht nötig
Zeige Bild in Lightbox Ein Schuldenschnitt ist nicht nötig
(© Foto: burdem/iStock)
Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Jürgen Matthes auf focus.de Gastbeitrag 2. Juni 2016

Ein Schuldenschnitt ist nicht nötig

Griechenland bekommt weitere Hilfsgelder. Offen bleibt die Frage nach Schuldenerleichterungen. Während der IWF deutliche Erleichterungen fordert, lehnt die Bundesregierung einen Schuldenschnitt ab – zu Recht, schreibt IW-Ökonom Jürgen Matthes auf focus.de.

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Ein echter Schuldenschnitt würde bedeuten, dass Griechenland einen Teil der Kredite nicht zurückzahlt. Damit wäre aber die Rettungsstrategie gescheitert, nach der nur Kredite vergeben werden, die Griechenland auf lange Sicht ohne Verlust für die Geberländer wieder zurückzahlt. Ein Schuldenschnitt wäre damit angesichts der zunehmenden Europa-Skepsis in Deutschland politisch sehr brisant. In der Frage, ob die europäischen Verträge einen echten Schuldenschnitt überhaupt zulassen, liegen zudem große rechtliche Unsicherheiten.

Wie aber kann ein Schuldenschnitt verhindert werden? Erstens, indem Griechenland heute bereits Vorsorge für den Fall trifft, dass sich der Staatshaushalt schlechter entwickelt als geplant. Dazu soll das Parlament schon jetzt ein Sparpaket in seinen Grundzügen beschließen, das nur im genannten Fall wirksam wird.

Zweitens gibt es beim Thema Schuldenerleichterung einen Kompromiss. Die Euro-Finanzminister stellen neben anderen Erleichterungen verlängerte Rückzahlungsfristen der Hilfskredite für 2018 in Aussicht, um die Belastung Griechenlands durch den Schuldendienst weiter zu verringern.

Eine aktuelle Schuldentragfähigkeitsanalyse des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln zeigt, dass diese Maßnahmen richtig sind. Um 15 bis 20 Jahre verlängerte Rückzahlungsfristen würden ausreichen, damit Griechenland seinen Schuldenberg durch Wachstum und Inflation deutlich reduzieren und dann bei einem Schuldenstand von 100 Prozent an den Finanzmarkt zurückkehren kann. Solange Athen weiterhin mindestens die Zins- und Finanzierungskosten des ESM trägt, belastet diese Lösung die Geberländer auch nicht mit Verlusten. Aktuell wird diskutiert, das Zinsniveau der Hilfskredite auf dem jetzigen niedrigen Niveau festzuschreiben. Bei einem Anstieg des allgemeinen Zinsniveaus könnte diese Lösung aber zulasten des ESM gehen, daher ist sie abzulehnen.

Um niedrige Zinsen auf lange Sicht für Griechenland zu ermöglichen, sollte sich der ESM selbst heute schon die derzeitigen Niedrigzinsen durch sehr langfristige Kredite am Finanzmarkt sichern. Das haben die Euro-Finanzminister auch im Grundsatz Ende Mai beschlossen. Darüber hinaus sollte der ESM die Kreditforderungen des IWF übernehmen. Denn für IWF-Kredite muss Griechenland deutlich höhere Zinsen zahlen als für Kredite des ESM. Dem IWF dürfte es dadurch auch leichter fallen, sich in begrenztem Umfang am dritten Hilfspaket zu beteiligen.

Die Schuldenerleichterungen durch die Euro-Gruppe kommen richtiger Weise erst, wenn Griechenland die Reformen des dritten Hilfsprogramms umgesetzt hat. Vor allem mit den bisher viel zu zögerlich umgesetzten Strukturreformen in den vielen überregulierten Marktsparten lässt sich neues Wachstum schaffen. Umso dringender müssen die Euro-Finanzminister bei den noch umzusetzenden Reformvorleistungen, den „prior actions“, derartige Strukturreformen einfordern. Bislang ist darauf im dritten Paket viel zu wenig geachtet worden.

Zum Artikel auf focus.de

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Herausfordernde Zeiten für die USA und die EU – Wohin steuert die Wirtschafts- und Geldpolitik?
Sandra Parthie Veranstaltung 21. November 2022

Podiumsdiskussion: Herausfordernde Zeiten für die USA und die EU – Wohin steuert die Wirtschafts- und Geldpolitik?

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat massive Preissteigerungen ausgelöst. Doch schon zuvor gab es aufgrund der Corona-Pandemie und einer schleichenden Deglobalisierung hohe Inflationsrisiken. Wie sollten Regierungen und Zentralbanken jetzt ...

IW

Artikel lesen
Jürgen Matthes im Deutschlandfunk DLF 4. November 2022

„Wir haben zu China ein riesengroßes Handelsbilanzdefizit“

Deutschland exportiere deutlich weniger nach China als andersherum, sagt IW-Außenhandelsexperte Jürgen Matthes im Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Dieses Handelsbilanzdefizit sei zuletzt auf einen neuen Rekordwert gestiegen. Abzuwarten sei, ob sich diese ...

IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880