1. Home
  2. Presse
  3. In den Medien
  4. Kein höherer Krankenstand
Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Jochen Pimpertz in der Fuldaer Zeitung Gastbeitrag 19. Januar 2022

Kein höherer Krankenstand

Einen Beitrag zur Bewältigung der Corona-Pandemie sieht IW-Ökonom Jochen Pimpertz auch im betrieblichen Gesundheitsschutz.

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Inzwischen hält bereits die fünfte Corona-Welle das Land in Atem. Während die Medien von dramatisch steigenden Infektionszahlen berichten, das Land über das Für und Wider einer Impfpflicht diskutiert und schärfere Maßnahmen auch für Unternehmen gefordert werden, berichten die Statistiker der Betriebskrankenkassen dieser Tage von einer vergleichsweise unauffälligen Entwicklung des Krankenstands. Wie passt das zusammen?

Die ärztlich attestierten Fehltage sind danach im Jahr 2020 leicht gesunken. Statt Corona dominierten altbekannte Ursachen das Krankheitsgeschehen in den Belegschaften.  Das Gros der Ausfalltage geht auf das Konto von Muskel- und Skeletterkrankungen. Psychische Leiden verursachen zwar besonders langwierige Krankschreibungen, treten jedoch vergleichsweise selten auf.

Wer erwartet hat, dass mit Corona vor allem Atemwegserkrankungen zugenommen haben, wird vom Gegenteil überrascht. Die Erklärung ist gleichwohl naheliegend: Während in früheren Jahren die Grippe- und Erkältungswellen zu Ausfällen in den Betrieben geführt haben, fielen beide im Jahr 2020 aufgrund von Lockdown, AHA-Regeln und Homeoffice weitgehend aus.

Nimmt man das Krankheitsgeschehen insgesamt in den Blick, rangieren Berufsgruppen mit industriell geprägten Tätigkeiten an der Spitze. Betrachtet man dagegen ausschließlich Corona-Erkrankungen, sind erwartungsgemäß pflegerische und medizinische Berufe besonders stark betroffen. Im Gedächtnis sind Medienberichte über unrühmliche Beispiele etwa aus fleischverarbeitenden Betrieben haften geblieben, die aber aus statistischer Sicht eine untergeordnete Rolle spielen.

Die ersten Wellen betrafen vor allem vulnerable Gruppen in höherem Alter. Dieses Bild ändert sich mit der Omikron-Variante. Aktuell steigt der monatliche Krankenstand auch in den Belegschaften erkennbar an. Welche Rolle das Arbeitsleben bei dem Infektionsgeschehen spielt, bleibt aber bis heute unklar. Denn auch nach zwei Jahren Pandemie wurde hierzulande immer noch keine breite Bevölkerungsstichprobe organisiert, die sowohl medizinische als auch sozialwissenschaftliche Langzeitstudien zu potenziellen Infektionsquellen ermöglicht.

So steht zu befürchten, dass uns auch weiterhin Debatten über Teillockdown und strengere Verhaltensregeln begleiten werden, weil es an Belegen für treffsichere Alternativen mangelt. Und die Rolle der Unternehmen? Hier kann das Glas halbleer oder halbvoll sein. Halb leer ist es, wenn man glauben möchte, dass Arbeitgeber ein Interesse daran hätten, an präventiven Maßnahmen zu sparen, obwohl damit ein höherer Krankenstand und Produktionsausfall droht.

Halb voll ist das Glas dagegen, wenn man glauben mag, dass die Betriebe zu einem verantwortungsvollen Umgang mit den gesundheitlichen Gefahren beitragen. Nicht nur die Vorkehrungen am Arbeitsplatz helfen, die Verbreitung des Virus zu begrenzen. Manches Unternehmen organisiert auch aktiv Impfangebote für seine Mitarbeiter.

Statt das Heil in immer neuen, vermeintlichen Pat-End-Rezepten zu suchen, die der komplexen Realität nicht gerecht werden, gilt es, die vielfältigen Anstrengungen aller Beteiligten zu würdigen, um Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam für die weiterhin notwendigen Anstrengungen zu motivieren.

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Michael Hüther / Jochen Pimpertz in Zeitschrift für Wirtschaftspolitik Externe Veröffentlichung 17. November 2022

Wider eine verpflichtende Aktienrente – auch Vermögen sichert Wohlstand im Alter

Eine verpflichtende Vorsorge in Form einer kapitalgedeckten Zusatzrente wird unter anderem damit begründet, Freifahrerverhalten zu vermeiden. Verzichten Individuen freiwillig auf die Möglichkeit ergänzender Vorsorge, drohe eine ungerechtfertigte ...

IW

Artikel lesen
Michael Hüther in der Wirtschaftswoche Interview 12. November 2022

Sozialsystem unter Druck: „Wir sollten 100 Stunden mehr im Jahr arbeiten”

Die Demografie setzt die Sozialkassen unter Druck, die Arbeitskosten steigen. Das liege auch am Versagen der Politik, rügt IW-Direktor Michael Hüther im Interview mit der Wirtschaftswoche – und schlägt unpopuläre Reformen vor.

IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880