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Michael Grömling in den VDI-Nachrichten Gastbeitrag 1. September 2022

Konjunkturampel: Erneuter Investitionsdämpfer

Die russische Invasion in der Ukraine hat die weltwirtschaftlichen Perspektiven erheblich eingetrübt. In der IW-Konjunkturampel nehmen von Monat zu Monat die roten Felder wieder zu.

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Vor allem die Konsumkonjunktur kommt aufgrund der hohen Preissteigerungen mehr und mehr unter Druck. Die erhofften Nachholpotenziale nach zwei Jahren Konsumeinschränkungen infolge der Corona-Pandemie lösen sich zusehends in Luft auf. 

Zusätzlich hat sich – nach der kurzen Erholung im ersten Quartal 2022 – durch die Verhärtung der geopolitischen Lage das Investitionsklima erneut eingetrübt. Gemäß der IW-Konjunkturumfrage vom Sommer 2022 haben sich die Investitionserwartungen der Unternehmen in Deutschland seit dem Herbst 2021 empfindlich zurückgebildet: Demnach erwarten zwar 36 Prozent der befragten Unternehmen höhere Investitionen als im Jahr 2021 – im Herbst waren es 48 Prozent. Ein Viertel der Firmen geht nunmehr von niedrigeren Investitionen als im Vorjahr aus – im Herbst waren es nur 15 Prozent. Bei diesem Vorjahresvergleich gilt es auch zu bedenken, dass die Investitionen im Jahr 2021 deutlich niedriger waren als vor der Corona-Pandemie. Der aktuelle Saldo aus positiven und negativen Investitionserwartungen ist mit 11 Prozentpunkte wieder weit entfernt vom Herbst 2021 mit 33 Punkten und von jenen Niveaus, die in Zeiten einer guten Investitionstätigkeit zu verzeichnen sind.

Vor allem die Investitionspläne der Bauunternehmen fallen schlecht aus: Während nur ein Fünftel mit höheren Investitionen plant, geht gut ein Drittel von niedrigeren Investitionen aus. Dies reflektiert in Teilen auch die Lieferproblematik von Investitionsgütern. In der Industrie haben sich die Investitionsabsichten ebenfalls massiv verschlechtert: Gingen im Herbst noch 51 Prozent der Industriebetriebe von höheren Investitionen im Jahr 2022 aus, so waren es aktuell nur noch 37 Prozent. Der Anteil der Betriebe mit geringeren Investitionsbudgets stieg gleichzeitig von 16 auf 28 Prozent an. Dies erklärt sich aus den eingetrübten globalen Geschäftsaussichten sowie der anhaltenden Produktionsstörungen aufgrund fehlender Materialien. Die Investitionsneigung im Dienstleistungssektor ist insgesamt zwar positiv. Der Saldo aus optimistischen und pessimistischen Firmen gab aber auch hier empfindlich von 40 Prozentpunkten auf nur noch 11 Prozentpunkte nach.

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Die IW-Unternehmensdaten zeigen auch, ob und wie die Investitionstätigkeit hierzulande durch den Krieg in der Ukraine beeinflusst wird. Zum einen werden die wenigen positiven Einflussfaktoren der Investitionen – die Digitalisierung und die Dekarbonisierung – aus Sicht der Unternehmen durch den Krieg nur wenig verändert. Zum anderen hat es aber massive Verschlechterungen bei den bereits bestehenden Investitionshemmnissen in Deutschland gegeben. Die stark angestiegenen Energiekosten, Unsicherheiten hinsichtlich der Energieversorgung, globale Verunsicherungen und Störungen in den internationalen Lieferketten stellen durch den Krieg eine nochmals höhere Investitionsbarriere dar.

Die im Gefolge der Corona-Pandemie entstandene Investitionslücke in Deutschland wird vorerst also nicht geschlossen werden. Dies belastet nicht nur das konjunkturelle Tempo, sondern schafft zugleich langwierige Defizite beim gesamtwirtschaftlichen Kapitalstock und den damit einhergehenden Produktions- und Wohlstandspotenzialen.

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