Darin besteht kein Zweifel: Arbeiten im Homeoffice kann einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der Corona-Pandemie leisten. Die Unternehmen haben im Zuge des ersten Lockdowns massiv die Möglichkeiten ausgeweitet, berufliche Aufgaben an heimischen Schreibtisch verlagern zu können. Erhebungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigen zum Beispiel, dass im Sommer 80 Prozent und im September 75 Prozent der Beschäftigten, bei denen die Tätigkeit dies zuließ, zumindest teilweise im Homeoffice arbeiteten.

Es gibt Anzeichen dafür, dass Verbreitungsgrad und Nutzungsintensität von Homeoffice heute gegenüber dem Frühjahr 2020 etwas zurückgegangen sind, was wenig verwundert. Denn erstens stellte und stellt für viele Betriebe, aber eben auch für viele Beschäftigte Homeoffice nur eine Notlösung dar. Notlösung heißt, dass Arbeitsprozesse nicht so reibungslos ablaufen wie in der gewohnten Routine vor Corona und die Menschen auf den Betrieb als sozialen Ort des Zusammenkommens und Miteinanders verzichten müssen. Eine Folge unter vielen ist die geringere Wertschöpfung in den Firmen.

Zweitens hatte sich das Infektionsgeschehen im Laufe des Sommers verbessert. Jetzt ist zu erwarten, dass sich mit den ansteigenden Infektionszahlen in Kombination mit den neuerlichen Schulschließungen die Homeoffice-Nutzung wieder steigt.

Verschiedene Gründe sprechen gegen Homeoffice

Es wird aber selbst jetzt Beschäftigte geben, bei denen Homeoffice zwar theoretisch möglich sein könnte, aber aus unterschiedlichen Gründen die Anwesenheit im Betrieb erforderlich ist – etwa, weil die IT-Infrastruktur am heimischen Arbeitsplatz unzureichend ist, Datensicherheit und -schutz dort nicht gewährleistet werden können oder die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen digital schlicht nicht funktioniert.

Wer diese Gruppe jetzt aber pauschal als Grund anführt, nach einer Homeoffice-Pflicht zu rufen, sollte bedenken: sechs von zehn Beschäftigten arbeiten ohnehin in Jobs, die sich gar nicht in das heimische Büro verlagern lassen. Die Unternehmen haben seit dem Frühjahr eine Vielzahl von Maßnahmen implementiert, mit denen das Infektionsrisiko am betrieblichen Arbeitsplatz minimiert wird.

Mit Verhaltensregeln, besonderen Hygienebestimmungen, organisatorischen Maßnahmen zur Kontaktreduzierung oder der technischen Umgestaltung von Arbeitsplätzen werden die rechtlichen Sars-Cov-2-Arbeitsschutzstandards verantwortungsbewusst umgesetzt. Auch deshalb hat sich der betriebliche Büroarbeitsplatz bislang nicht als Infektionsherd herausgestellt. Der Ruf nach einer Homeoffice-Pflicht ist daher unangebracht.

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