Das Virus nimmt offensichtlich einen neuen Anlauf, das gesellschaftliche und ökonomische Leben wieder stärker als im Sommer zu beeinträchtigen. Auf der anderen Seite sorgen die eintreffenden Wirtschaftsnachrichten für mehr und mehr Erleichterung. Das spiegelt sich auch zunehmend in der IW-Konjunkturampel wider. Rote Felder nehmen ab und grüne Felder wieder zu. Die in der Ampel abgebildeten Durchschnitte über die letzten drei Monate im Vergleich zu den vorhergehenden drei Monaten markieren mit Blick auf die deutsche Industrie eine ausgeprägte Erholung. Auch die Konsumenten blicken wieder mit viel mehr Zuversicht ins aktuelle Leben. Doch bei all der positiven Dynamik, die sich in den bislang verfügbaren Wirtschaftsindikatoren darstellt, darf nicht übersehen werden, dass die 100-Prozent-Ökonomie in wichtigen Bereichen noch in weiter Ferne liegt – und auch keine Selbstverständlichkeit darstellt. 

Beschäftigungslücke

Im Juni hatte die Beschäftigung in Deutschland ihren Corona-bedingten Tiefpunkt erreicht. Um 650.000 Personen oder 1,4 Prozent wurde das Vorjahresniveau unterschritten. Zuletzt im September belief sich die Beschäftigungslücke zum Vorjahr noch auf gut 580.000 Erwerbstätige oder 1,3 Prozent. Daneben waren nach ersten Schätzungen im September noch knapp 4 Millionen Kurzarbeiter registriert. Das waren nahezu 1 Million weniger als im August und über 2 Millionen Kurzarbeiter weniger als zum Höhepunkt im April. Das signalisiert eine sehr erfreuliche Entwicklung, aber immer noch eine weite Wegstrecke zum Ausgangspunkt von vor der Krise. Die niedrigere Beschäftigung, die höhere Arbeitslosigkeit und die Kurzarbeit weisen auf eine nach wie vor erhebliche Unterauslastung unseres Arbeitskräftepotenzials hin.