Das Wachstumstempo der deutschen Wirtschaft hat im vergangenen Jahr deutlich nachgelassen. Das Vorjahresniveau wurde 2018 nur noch um 1,5 Prozent übertroffen. Das liegt im Schatten der vorangegangenen Jahre, als das Wachstum merklich über 2 Prozent lag. Unerwartet haben die Probleme in der Automobilbranche durch die Verzögerungen bei einem neuen Prüfverfahren die Abschwächung in 2018 verstärkt.

Auch unerwartet war – nach dem starken Auftrieb 2017 – die merklich schwächere Gangart der Weltwirtschaft im zurückliegenden Jahr. Dies bremste über die schwächeren Auslandsgeschäfte der deutschen Industrie die konjunkturelle Dynamik hierzulande.

In der IW-Konjunkturampel hat sich in den letzten Monaten das Grün mehr und mehr verflüchtigt. Die Zeichen stehen für alle vier abgebildeten Wirtschaftsräume mehrheitlich auf Gelb, also auf Stillstand. Schon macht auch das gefürchtete R-Wort die Runde: Droht der deutschen Wirtschaft vielleicht sogar eine Rezession?

Nach gegenwärtiger Lesart der Daten und Risiken sehen wir unmittelbar keine Rezessionsgefahr für Deutschland. Das IW prognostiziert für 2019 aber ein nochmals schwächeres Wachstum als im Jahr zuvor. Das reale Bruttoinlandsprodukt dürfte nur um knapp 1,2 Prozent zulegen. Folgendes steht hinter dieser zurückgeschraubten Erwartungshaltung:

  • Die Unsicherheiten durch den Protektionismus der USA und die Gegenreaktionen der betroffenen Länder – insbesondere von China – nehmen nicht ab. Die Einkaufsmanagerindizes signalisieren keinen Schwung. Für China steht er sogar schon auf Rot. Die US-Unternehmer werden auch vorsichtiger. Das verwundert nicht, ihr Präsident teilt in alle Richtungen aus.
  • Das britische Parlament hat vergangene Woche mit großer Mehrheit den Brexit-Deal mit der EU abgelehnt. Es ist derzeit völlig offen, was noch folgt. Jedenfalls wird die Zeit für einen geregelten EU Austritt des Vereinigten Königreichs knapp. Damit drohen Zölle, Grenzkontrollen und eine hohe rechtliche Unsicherheit beim Handel zwischen der EU und dem UK.
  • Es besteht die latente Gefahr eines Wiederaufflammens von Finanzmarktverwerfungen durch den Brexit und die nicht rückläufige Staatsverschuldung in vielen Ländern. Eine erneute Finanzmarkt- und Bankenkrise kann die sowieso schon nachlassende konjunkturelle Dynamik in Europa weiter schwächen.