Das globale Konjunkturtempo lässt nach. Jüngst hat auch der Internationale Währungsfonds in seiner Herbstprognose das Wachstum für die Weltwirtschaft zurückgenommen. Ein Drama ist das nicht, schließlich dürften die globalen Wirtschaftsaktivitäten in diesem und im kommenden Jahr – nach gegenwärtigem Stand der politischen Dinge – um immerhin 3,7 Prozent zulegen.

Gleichwohl ist diese Schlagzahl weit entfernt von den früheren Expansionsraten. Zum Vergleich: Im Zeitraum 2004 (also nach der globalen Schwäche infolge von New-Economy-Crash und Terroranschlägen) bis 2007 (also vor der globalen Finanzmarktkrise) legte die Weltproduktion um durchschnittlich 5,3 Prozent pro Jahr zu.

Nicht nur in den fortgeschrittenen Ländern, sondern vor allem in den aufstrebenden Volkswirtschaften hat das Wachstum stark nachgelassen. Während die Schwellenländer vor der Krise im Durchschnitt noch um knapp 8 Prozent pro Jahr zulegten, sind es derzeit 4,7 Prozent.

In China und anderen asiatischen Schwellenländern machen sich bereits die neuen Handelsbeschränkungen bemerkbar. Die Exporte legen zwar noch zu, die Zuwächse stehen aber weit im Schatten der letzten Boomjahre. Dies gilt nicht nur für China, sondern über die mittlerweile intensiven asiatischen Wertschöpfungsketten auch für die anderen vormaligen Tigerstaaten. Dazu kommt, dass eine Reihe von Ländern wie Indonesien und die Philippinen sich mit hausgemachten Problemen selbst lähmen. Die jüngsten Währungsabwertungen spiegeln die hohe Verunsicherung und Vorsicht internationaler Investoren wider.

„Die notwendigen Strukturreformen sind in vielen Ländern derzeit nicht zu erkennen.“

Hausgemachte politische Probleme haben auch aufstrebende Länder außerhalb Asiens von der Beschleunigungspur auf den Standstreifen gelenkt. Im Rampenlicht stehen etwa die großen südamerikanischen Volkswirtschaften Argentinien und Brasilien. Lateinamerika hat sich zwar von der Rezession in 2015 und 2016 etwas erholt. Für dieses Jahr wird immerhin ein Wachstum von 1,2 Prozent erwartet. Das ist jedoch weit entfernt von den 5,4 Prozent im Durchschnitt der Jahre 2004 bis 2007 – und gemessen am Bevölkerungswachstum führt das schwache Wirtschafts- und Einkommenswachstum allenfalls zum Wohlstandsstillstand. Die wieder anziehenden Rohstoffpreise begünstigen zwar das ein oder andere rohstoffreiche Land. Stetigkeit und Stabilität speisen sich aber aus anderen Quellen. Und die dafür notwendigen Strukturreformen sind in vielen Ländern derzeit nicht zu erkennen.