In den letzten Jahrzehnten ist der durchschnittliche Lebensstandard in den Familien gestiegen. Je nach Familienform konnten die Familien in ungleicher Weise von der positiven Entwicklung profitieren und sind auch in unterschiedlichem Maße von relativer Armut bedroht. Relativ hoch ist die Armutsgefährdung bei Alleinerziehenden. Mehrkindfamilien weisen in ökonomischer Hinsicht eine hohe Ungleichheit auf – die Entscheidung für ein drittes oder weitere Kinder werden am unteren und oberen Rand der Einkommensverteilung relativ häufig getroffen, in mittleren Einkommensgruppen sind Mehrkindfamilien vergleichsweise unterrepräsentiert. Neben der Einkommenserzielung selbst spielt die Ungleichheit auch bei der Intensivierung der Elternschaft eine wichtige Rolle. Untersuchungen zeigen, dass die Bildungsrenditen und damit Bedeutung von Bildungsabschlüssen für spätere Einkommensverläufe gestiegen und zugleich höhere Veränderungen der Berufsprofile innerhalb einer Familie über Generationen hinweg zu beobachten sind. Diese Entwicklungen bewirken, dass die Eltern einen höheren Druck verspüren, die Bildungswege der Kinder auch durch Wertevermittlung und Motivation möglichst früh und gut zu fördern. Bei den möglichen Ressourcen, die Eltern an Zeit, Geld und Bildungskapital einbringen können, gibt es einen großen Unterschied zwischen bildungsnahen und bildungsfernen Haushalten, der wiederum die Aufstiegsmobilität in der Gesellschaft langfristig hemmen kann.

Aus ökonomischer Sicht ist die gleichmäßigere Erwerbstätigkeit beider Elternteile bereits mit kurzfristiger Wirkung wichtig, um die Familien wirtschaftlich zu stärken und abzusichern. Die Risiken nehmen dabei perspektivisch zu. Zum einen ist die Scheidungsrate bis zum Jahr 2004 stark angestiegen und nimmt seitdem nur leicht wieder ab. Als Folge lebt in rund 20 Prozent der Familien mit Kindern im Alter unter 18 Jahren nur ein Elternteil im Haushalt. Alleinerziehende sind besonders armutsgefährdet, wenn sie nicht oder nur in geringem Maße erwerbstätig sein können. Gerade Mütter, die vor der Trennung nicht oder nur in geringfügiger Form beschäftigt waren, fallen häufig in diese Risikogruppe. Zum zweiten befindet sich die Wirtschaft im Wandel: Die Digitalisierung und Dekarbonisierung führen dazu, dass sich Berufe und Arbeitswelt in Zukunft stark verändern dürften. Die Corona-Krise zeigt zudem, wie stark sich Beschäftigungsrisiken kurzfristig ändern und massive Verwerfungen am Arbeitsmarkt entstehen können. Durch den Strukturwandel können Qualifikationen entwertet werden. Familien, in denen nur ein Elternteil erwerbstätig ist oder den überwiegenden Teil zum Familieneinkommen allein beiträgt, drohen besonders große ökonomische Risiken bei Verlust des Arbeitsplatzes dieser Person.

Zur ökonomischen Risikoabsicherung ist damit wichtig, dass beide Elternteile einen guten Zugang zum Arbeitsmarkt haben. Empirisch zeigt sich, dass sich Qualifikationen von Männern und Frauen in den letzten Jahrzehnten angeglichen und Frauen die Männer bei formalen Abschlüssen inzwischen überholt haben. Die Erwerbstätigkeit von Müttern ist seit 2000 gestiegen – sowohl bei der Erwerbstätigenquote als auch bei der durchschnittlichen Arbeitszeit. Die Erwerbsquoten und Arbeitszeiten von Vätern sind hingegen auf höherem Niveau in etwa konstant geblieben. Insgesamt verwenden die Eltern auch gleichzeitig mehr Zeit, die sie zusammen mit ihren Kindern verbringen. Zeiten für Hausarbeit oder Freizeit ohne Kinder wurden hingegen reduziert. Betrachtet man die Erwerbswünsche, so zeigt sich, dass ein guter Teil der Eltern mit den gelebten Arrangements zufrieden ist. Änderungswünsche zeigen sich bei einem Teil der Mütter, die die Arbeitszeiten gern erhöhen und einem Teil der Väter, die vor allem Überstunden gern verringern würden. Die Erwerbswünsche selbst wiederum reagieren auf angebotene Rahmenbedingungen.

Auch die Familienpolitik hat zu einer besseren Realisierung der Erwerbswünsche der Eltern beigetragen. Es besteht der Anspruch auf einen Betreuungsplatz für Kinder im Alter von einem bis drei Jahren. Ganztagsplätze in Kitas und Grundschulen wurden ausgebaut. Evaluationen machen deutlich, dass für die Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein weiterer Ausbau der Betreuungsangebote sehr wirksam ist. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft fehlen noch immer rund 320000 Plätze für unter dreijährige Kinder, wenn man die geäußerten Wünsche der Eltern nach Plätzen dem Angebot gegenüberstellt. Zudem besteht beim Blick auf die Wünsche der Eltern ein Mangel an Ganztagsplätzen für Grundschulkinder. Wichtig für den Ausbau der Infrastruktur ist mit Blick auf die Kinder die Qualität der Einrichtungen. Für die Entwicklung der Kinder in den Kitas ist wichtig, dass die Erzieherinnen und Erzieher als Kontaktpersonen nicht zu häufig wechseln und dass der Betreuungsschlüssel Kinder je Betreuungsperson niedrig ist. In den Ganztagsschulen wiederum sollten multiprofessionelle Teams die Lehrkräfte entlasten und insgesamt eine individuelle Förderung der Kinder und Jugendlichen ermöglicht werden. Zwischen Eltern und Bildungseinrichtungen sollte es dabei eine Partnerschaft auf Augenhöhe geben. Durch die Partnerschaft sollte es gelingen, dass die Einrichtungen für die Familien eine Unterstützung darstellen, die die Eltern entlastet und zugleich in ihrer Erziehungsverantwortung stärker als bisher einbindet und die Kinder möglichst gut fördert.