So gefährlich ist eine weitere Zins-Senkung Image
Quelle: Petra Dufkova / BILD-Zeitung

Mit einem Sparbrief wird kaum noch der Schutz vor Inflation erwirtschaftet. Den realen Wert des Geldvermögens zu sichern, ist derzeit also auf diesem Wege nicht so einfach möglich.

Am Donnerstag tagt der EZB-Rat, die Kapitalmärkte erwarten eine weitere Zinssenkung. Das wäre für die Sparer keine gute Nachricht.

Und es würde auch den Südländern der Eurozone nicht helfen. Dort liegt das Problem bei den Banken, deren Unrat in den Bilanzen neue Kredite an Mittelständler verhindert.

Die Zinssenkung erschwert der Europäischen Zentralbank die Rückkehr zu einer neutralen Politik, zu der ein Zins von eher 3 Prozent als von null passt.

Sie plündert die Ersparnisse aus, sie bedroht die Lebensversicherung.

Und: Sie schürt die Gefahr einer neuen Blase an der Börse. Die Hoffnung der Börsianer, eine Zinssenkung könnte den Dax über die Hürde von 10000 Punkten hieven, steht deshalb auf dünnem Eis.

Nichts wäre gewonnen, wenn ein baldiger Kursrutsch dafür den Boden entzieht.

Dennoch gilt: Die niedrigen Inflationsraten weit unter dem Inflationsziel der EZB machen Sorge.

Das Abdriften in eine Deflation – also anhaltend sinkendes Preisniveau – wäre fatal. Das zeigt der Fall Japan seit über 20 Jahren. Deshalb hat EZB-Chef Draghi recht: Eine Notenbank muss auch das Deflationsrisiko ernst nehmen.

Aber: Die erwartete Zinssenkung bringt in diesem Fall nichts. Ungewohnte Instrumente, wie der Kauf von Anleihen oder verfügte negative Zinsen auch nicht.

Manchmal muss man Geduld haben: So sind angesichts guter Konjunktur und ausgelasteter Maschinen wieder höhere Inflationsraten zu erwarten.

Jedenfalls gibt es keinen Grund für Aktionismus.

Zum Gastbeitrag auf bild.de

Ansprechpartner

20. November 2017

Interview mit Michael Sket „Wir können uns in der Eurozone noch nicht zurücklehnen“Arrow

Als es galt, die europäischen Krisenstaaten vor der Pleite und die Währungsunion vor dem Zerfall zu bewahren, stabilisierte Michael Sket, inzwischen Wirtschaftsanalyst für Italien, Malta und Polen bei der EU-Kommission, zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen den Staatenverbund mit dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Im iwd-Interview spricht Sket über Griechenland, das Verhältnis der Deutschen zu den Italienern und die Rolle des Internationalen Währungsfonds. mehr auf iwd.de

17. November 2017

Jürgen Matthes Europa zwischen Komfortzone und KrisenherdArrow

Das Erstarken populistischer Parteien, Terrorangriffe und nicht zuletzt das Brexit-Votum haben die Europäische Union gehörig durcheinandergeschüttelt. Doch es gibt auch Lichtblicke: Die Begeisterung für den europäischen Staatenverbund war schon lange nicht mehr so groß wie heute. Gleichwohl gibt es in vielen Punkten Verbesserungsbedarf. Dieser Beitrag bildet den Auftakt einer Serie zur Zukunft der EU auf iwd.de. mehr auf iwd.de

Zinswende: Bloß nicht zu schnell
Gastbeitrag, 5. November 2017

Markus Demary und Michael Voigtländer in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung Zinswende: Bloß nicht zu schnellArrow

Die geringen Zinsen fördern die Staatsverschuldung, sie belasten Versicherungen und deren Kunden, erschweren die Altersvorsorge und können zu Spekulationsblasen führen. Auf Dauer muss die EZB daher den Leitzins erhöhen, schreiben die IW-Ökonomen Markus Demary und Michael Voigtländer in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Aber die Wende sollte behutsam geschehen – sonst drohen enorme Risiken. mehr