Michael Hüther in der Allgemeinen Zeitung Mainz Image
Öffnungen von Märkten zwischen Industrienationen haben positive Wohlfahrtseffekte für alle Beteiligten, so Hüther. Foto: IW Köln

Die transatlantische Partnerschaft hat eine lange Tradition und eine breite Verankerung. Die Grundlage bilden nicht nur gemeinsame Interessen und Perspektiven, sondern ebenso gemeinsame Werte der westlichen Welt. Man kann TTIP ökonomisch vielfach begründen: mit den vereinbarten Zollsenkungen, mit dem Abbau sonstiger Handelshemmnisse, mit Erwartungen auf mehr gegenseitige Investitionen. Alle Öffnungen von Märkten zwischen Industrienationen haben - das bedeutet die Theorie und belegt die Geschichte - positive Wohlfahrtseffekte für alle Beteiligten. Es ist ein Programm für mehr Beschäftigung und Wachstum, zumal für eine so exportorientierte und international vernetzte Volkswirtschaft wie die deutsche. In einer Zeit global schwacher wirtschaftlicher Dynamik ist das umso bedeutender. Die Sorge um die Ausgrenzung der Entwicklungsländer kann durch Meistbegünstigung und gezielte Entwicklungsstrategien beantwortet werden.

Dennoch gibt es kritische Punkte, und es gibt einen Widerstreit der Interessen auf beiden Seiten. Das aber gehört zu solchen Verhandlungen. Sie bieten die Chancen, bisher Fragwürdiges - wie die Schiedsgerichte - besser zu machen, will heißen: transparenter, verlässlicher, demokratisch fundierter. Klar muss auch sein, dass TTIP kein Dosenöffner für bewährte Regelungen und Institutionen in beiden Wirtschaftsräumen sein darf und dass die demokratische Steuerung nicht geschwächt wird. Das Verhandlungsmandat der EU gibt hier indes wenig Anlass zur Skepsis.

Wenn Deutschland und Europa in der Globalisierung strukturell Einfluss behalten wollen, dann bietet TTIP dafür die historische Chance. Es könnte die Einkehr der Ordnungspolitik, wie wir sie verstehen, in die Weltwirtschaft sein. Dass es in bestimmten Branchen und bei KMUs viele Sorgen gibt, muss man ernst nehmen. Doch sie bieten keinen Grund, gegen TTIP zu sein. Wettbewerb ist - erst recht, wenn er intensiver zu werden verspricht - nie bequem. Aber es ist der Ansporn, der unseren Wohlstand trägt.

Ansprechpartner

Free Trade between Europe and Japan – hope for global prosperity
Gastbeitrag, 20. Juni 2017

Hubertus Bardt on KKC International Platform Free Trade between Europe and Japan – hope for global prosperityArrow

In an environment with growing protectionism and the danger of economic disintegration and shocks for the global trade policy system, a free trade agreement between Japan and Europe could set a positive example. Progress in the negotiations are necessary to foster growth and prosperity and to send a message to other countries, that modern market economies rely on good trade relations. mehr

20. Juni 2017

Interview mit Tobias Paulun „Mit einem liquiden Markt sollte man nicht spielen“Arrow

Damit die EU eines Tages eine Energieunion mit grenzüberschreitendem Handel und einer gemeinsamen Energiepolitik wird, hat die EU-Kommission in ihrem neuen „Strommarktdesign“ unter anderem vorgeschlagen, die Preiszonen im Strommarkt neu zu definieren. Was die European Energy Exchange (EEX) davon hält, erläutert Tobias Paulun, Mitglied des EEX-Vorstands, im iwd. Zunächst aber erklärt er, was die Energiebörse in Leipzig überhaupt macht. mehr auf iwd.de

Brexit
IW-Nachricht, 19. Juni 2017

Jürgen Matthes Brexit: Missverständnisse vermeidenArrow

Fast ein Jahr nach dem Referendum beginnen heute die Brexit-Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU. Die Lage scheint vertrackt, doch in der öffentlichen Debatte wird die bisherige Position der britischen Regierung häufig missverstanden – und damit auch die Chancen für konstruktive Verhandlungen übersehen. mehr