Michael Hüther Image
Mittlerweile ist klar: Die Schweizer haben sich gegen das bedingungslose Grundeinkommen entschieden. Foto: andreadonetti/iStock

Den Deutschen ist ein selbstbestimmtes Leben von höchstem Wert, die Erwerbsarbeit ist dafür von herausragender Bedeutung. 70 Prozent sagen: Wer mehr leistet, der soll auch mehr verdienen.

Dagegen steht die Idee eines bedingungs- oder treffender leistungslosen Grundeinkommens. Leistungslos bedeutet zugleich verantwortungslos, denn der Einzelne ist unabhängig von jeder Voraussetzung anspruchsberechtigt. Das funktioniert allenfalls in engen und dichten sozialen Netzen wie der Familie, nicht aber in fluiden Großgesellschaften.

Wer die Leistungsgerechtigkeit aufgibt, der hebelt die Chancengerechtigkeit für viele aus, weil es nicht mehr lohnend erscheint, die Chancen auch zu nutzen. Staatsausgaben, die so deutlich erkennbar Fehlanreize haben, stellen zugleich die Fairness der Besteuerung infrage. Man besteuert Leistungseinkommen für leistungsloses Einkommen.

Gesellschaftliche Utopien überfordern die reale Welt, weil sie lebenspraktisch nicht funktionieren. Ein solches Grundeinkommen macht nicht unabhängig, sondern unfrei.

Die Antworten von Norbert Blüm, Hans-Christian Ströbele, Sven Giegold, Thomas Straubhaar und Katja Kipping finden Sie auf spiegel.de.

Ansprechpartner

Zerfällt der Westen?
Gastbeitrag, 23. März 2017

Michael Hüther im Handelsblatt Zerfällt der Westen?Arrow

Menschenrechte, Gewaltenteilung, Demokratie: Die Werte des Westens erodieren. Ist unser Gesellschaftsmodell am Ende? Nein. Doch die transatlantische Erzählung braucht eine lebenspraktische Übersetzung. Ein Gastbeitrag von Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln und Russell Berman, Professor für Geisteswissenschaften an der Stanford University und Senior Fellow an der Hoover Institution. mehr