Ukrainekrise und deutscher Mittelstand Image
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Der Führer des flächenmäßig größten Landes der Erde spielt nicht nur mit verdeckten Karten, es gibt auch keine wirklich überzeugende Deutung seiner Motive, die das Handeln angesichts der ökonomischen Schwächung plausibel in einen rationalen Kontext einordnen könnten. Die Großmachtansprüche sind wirtschaftlich nicht untermauert, Russlands Bruttoinlandsprodukt entspricht dem Italiens. Seine Volkswirtschaft steht auf tönernen Füßen, die Entwicklung einer wettbewerbsfähigen Basis jenseits von Erdöl und Erdgas stockt seit der Jahrtausendwende.

Doch welche Motive die Handelnden in Moskau auch bewegen mögen: In jedem Fall wären die deutsche Wirtschaft und viele mittelständische Exporteure von einer weiteren Zuspitzung betroffen. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln könnte eine Verschärfung der Russlandsanktionen der EU bei entsprechenden Gegenmaßnahmen – Stichwort: Rohstoffexport – etwa ein halbes Prozent Wachstum kosten, wenn der Handel ganz zum Erliegen kommt. Wahrscheinlicher ist allerdings eine Beschränkung der Ausfuhrverbote auf militärische Güter und Hightech-Geräte mit potenziell militärischem Nutzen, sogenannte Dual-Use-Waren. Die Wachstumseinbuße könnte dann 0,2 Prozent betragen.

Auch von russischer Seite ist eher eine Politik der Nadelstiche gegen westliche Wirtschaftsinteressen als ein Stopp der Gas- und Öllieferungen zu erwarten. Mit einer Unterbrechung der Energielieferungen würde Russland zu einem kritischen Zeitpunkt seine Deviseneinnahmen kappen und sich damit ins eigene Fleisch schneiden, da seit Beginn der Krise hohe Kapitalabflüsse zu verzeichnen sind.

Viele Unternehmen wissen derzeit nicht, was sie noch exportieren dürfen und wie die russische Seite reagieren wird, wenn sie vertragliche vereinbarte Lieferungen nicht durchführen können. Die andauernde Krise durch den Konflikt in der Ostukraine führt zu Verunsicherungen, die in die Planungen der Unternehmen einzusteuern sind. Ein Durchschlagen auf den Arbeitsmarkt ist aber trotzdem kaum zu erwarten.

Der russische Markt ist für den industriellen Mittelstand nur von nachrangiger Bedeutung, und schon wegen des wachsenden Fachkräftemangels werden die Unternehmen die rückläufigen Ausfuhren gen Osten nicht zum Arbeitsplatzabbau nutzen, sondern ihre qualifizierten Mitarbeiter halten. Der Beschäftigungsaufbau der vergangenen 12 Monate von immerhin ca. 380.000 zusätzlichen Erwerbstätigen fand ohnehin eher in den Dienstleistungen und der Binnenwirtschaft statt, und die zeigt sich – getragen von niedrigen Zinsen, einer boomenden Bauwirtschaft und einer weiterhin hohen Konsumlaune – bislang sehr robust.

Insgesamt trägt die sich verschärfende Krise um die russische Einmischung in der Ukraine dazu bei, dass die Konjunktur in Deutschland trotz eines historisch tiefen Zinsniveaus nicht überschäumen wird. Gründe, gleich eine neue Rezession zu fürchten, gibt es aber gleichwohl nicht.

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