Deutschland exportiert mehr Waren und Dienstleistungen als es von anderen Ländern importiert – und erzielte somit 2017 einen Leistungsbilanzüberschuss von rund 263 Milliarden Euro. In den USA ist das umgekehrt: Die amerikanischen Importe übersteigen die Exporte erheblich und im vergangenen Jahr belief sich das resultierende Leistungsbilanzdefizit auf rund 413 Milliarden Euro. Im direkten Vergleich mit den USA hatte Deutschland im Jahr 2017 einen Leistungsbilanzüberschuss in Höhe von rund 52 Milliarden Euro.

Dieser notorisch hohe Überschuss der Deutschen und das eigene Defizit sind für den US-Präsidenten ein Ärgernis. Aus seiner Sicht ist es nicht hinnehmbar, dass Deutsche und andere Länder auf Kosten der Amerikaner leben. Und so wettert er regelmäßig gegen die großen Exportnationen – und droht ihnen mit Protektionismus.

Die Güter aus dem Ausland will Trump nicht, das Geld schon

Auf der anderen Seite unternimmt Trump mit seiner Steuerreform und der Deregulierung auf den Finanzmärkten sogar vieles, um Kapital in die USA zu locken. Dem Kapital öffnet er die Grenzen, für Waren und Dienstleistungen will er die Grenzen schließen. Die USA brauchen dieses internationale Geld dringend – allerdings nicht nur für Investitionen, wie Trump tönt. Sie brauchen es vor allem, weil der amerikanische Staat weit über seine Verhältnisse lebt. Die Steuern reichen längst nicht aus, um die Staatsausgaben zu finanzieren. Voraussichtlich weist der US-Staatshaushalt in diesem Jahr ein Defizit von über 800 Milliarden US-Dollar auf. Das ist eine gewaltige Kapitallücke, die nur durch hohe Kapitalimporte, also durch Zugriff auf ausländische Ersparnisse zu füllen ist.