Den Konjunkturforschern steht eine schier unerschöpfliche Fülle an Daten und Fakten zur Verfügung – über Produktion, Beschäftigung, Außenhandel, Investitionen und vielen Finanzmarktkennziffern. Hier ist es nicht leicht, vor lauter Bäumen den Wald zu sehen. Letztlich geht es aber darum, die vielen Informationen zu einem konjunkturellen Gesamtbild zusammenzufügen. Diesem Ziel kann man mit einer Zusammenfassung vieler Konjunkturdaten in einem Gesamtindikator näher kommen. Dies ist aber insofern problematisch, als bei der Verdichtung der Konjunkturdaten wertvolle Details verlorengehen und vor allem gegenläufige Tendenzen unsichtbar werden.

Dieses Problem umgeht die vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln entwickelte IW-Konjunkturampel. Sie gibt mithilfe der Signalfarben Grün, Gelb und Rot einen schnellen und zugleich umfassenden Überblick über die konjunkturelle Dynamik in Deutschland, im Euroraum, in China und in den USA. Die Ampel beschreibt dies anhand von drei Bereichen – Produktion, Beschäftigung und Nachfrage – mit insgesamt zehn explizit sichtbaren Indikatoren. Hierzu gehören vor allem Ist-Kennzahlen aus der amtlichen Statistik – etwa zur Industrieproduktion, der Arbeitslosigkeit oder den Investitionen. Hinzu kommen etwa der Einkaufsmanagerindex und das Konsumentenvertrauen, die auf Umfragen basieren und individuelle Einschätzungen wiedergeben.

Für jeden Indikator misst die IW-Konjunkturampel, ob in den aktuell verfügbaren drei Monaten gegenüber dem vorherigen Dreimonatszeitraum eine Verbesserung oder eine Verschlechterung zu beobachten war. Anschließend werden diesen Trends die Farben Grün bzw. Rot zugeordnet. Für den Fall, dass keine wesentliche Veränderung vorlag, zeigt die Ampel Gelb. Das ist immer dann der Fall, wenn die Veränderung kleiner ist als ein Siebtel der Standardabweichung, die für den jeweiligen Indikator in den vergangenen zehn Jahren gemessen wurde.

Aus der Gesamtschau dieser Indikatoren kann erkannt werden, ob die Konjunktur Fahrt aufnimmt oder kippt. Die bis Mitte September 2017 verfügbaren und in der IW-Ampel berücksichtigen Konjunkturindikatoren weisen jedenfalls auf eine bislang gute wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland hin. Die weltweite politische Verunsicherung hat bislang die deutsche Wirtschaft nicht aus dem Tritt gebracht. Zwar zeigen die Exporte keine merkliche Verbesserung, sie bewegen sich aber auf hohem Niveau. Das gilt auch für den Arbeitsmarkt. Die hier allesamt gelben Felder signalisieren zwar nahezu Stillstand – aber auf Basis einer äußerst komfortablen Situation bei Beschäftigung und Arbeitslosigkeit. Der Konsum expandiert weiter kräftig und auch die Investitionen kommen mehr und mehr in Gang. Gut für die deutsche Wirtschaft ist zudem das durchgehend grüne Bild für den Euroraum, unserem größten Exportmarkt. Im September 2017 waren hier zum ersten Mal seit der globalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise von 2008 alle Indikatoren auf signifikantem Expansionskurs.