297 Milliarden Dollar betrug der deutsche Leistungsbilanzüberschuss im vergangenen Jahr, die USA verbuchten dagegen ein Defizit von 466 Milliarden. Während Deutschland also sehr viel mehr Waren und Dienstleistungen ins Ausland verkaufte als es dort erwarb, war es in den USA umgekehrt. Aus Sicht von US-Präsident Donald Trump – aber auch einiger europäischer Politiker – ist das zutiefst ungerecht. Deshalb sucht Trump nach Mitteln und Wegen, Exporte in die USA, insbesondere auch aus Deutschland, zu erschweren – zum Beispiel durch Strafzölle. Dabei ignoriert er die Ursachen für die gute deutsche und schlechte amerikanische Leistungsbilanz.

Wie die meisten wirtschaftlichen Zusammenhänge wird auch die Leistungsbilanz von Angebot und Nachfrage bestimmt. So kann zum Beispiel eine hohe Staatsnachfrage – also die Ausgaben eines Staates für Güter, beispielsweise für Rüstung oder Infrastruktur – ein Leistungsbilanzdefizit verursachen.

Die USA sind ein exzellentes Beispiel hierfür: Die Wirtschafts- und Steuerpolitik der aktuellen Regierung treibt das Staatsdefizit voraussichtlich weit über 1000 Milliarden Dollar im kommenden Jahr. Dieses Geld verschwindet nicht einfach, sondern wird ausgegeben – im Inland, aber eben auch im Ausland. Die hohe Güternachfrage bekommen die USA nicht aus eigener Leistung bedient, viele Güter müssen woanders eingekauft werden. Zum Beispiel in Deutschland. Das Ergebnis: Die deutsche Leistungsbilanz steigt, die amerikanische sinkt. Ungerecht ist daran hauptsächlich eines: Deutschland dafür die Schuld zu geben, dass es – im Gegensatz zu den USA – einen ausgeglichenen Haushalt anstrebt.