Schlechtes Wetter am Nachhaltigkeitstag? Image
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Aktionstage für bürgerschaftliches Engagement gibt in Hülle und Fülle, nun auch zum Thema Nachhaltigkeit. Vorgestern, am 4. Juni, fand der Deutsche Aktionstag Nachhaltigkeit des Rats für Nachhaltige Entwicklung im Vorfeld der UN-Konferenz „Rio+20“ statt. Im Sinne der Nachhaltigkeit konnten sich Menschen über zahlreiche Projekte und Initiativen in Deutschland engagieren. Viele Aktionen fanden im Freien statt. Leider klappt das erfahrungsgemäß nicht immer mit Sommerveranstaltungen in Deutschland, und dann bleiben viele Leute trotz aktiver Seele im trockenen Zuhause – auch vorgestern zogen Schlechtwetterwolken über weite Teile Deutschlands hinweg.

Allerdings signalisiert der Indikatorenbericht 2012 des Statistischen Bundesamts, dass man sich vor allen Dingen bei heraufziehendem Gewitter entschlossen engagieren sollte. Der Bericht fasst den Status verschiedener Ressorts im Bezug auf nachhaltige Entwicklung zusammen und bewertet diese anhand von Wettersymbolen ob ihrer Fortschritte. Von den insgesamt 38 Indikatoren haben

  • 14 bereits den Zielwert erreicht oder sind auf bestem Wege dahin
  • 5 Indikatoren entwickeln sich in die richtige Richtung, weichen im Zieljahr aber vom Zielwert ab
  • 11 Indikatoren zeigen auch eine richtige Richtung an aber entwickeln sich zu langsam wodurch eine größere Lücke zwischen Ziel und Erreichung bestünde
  • 8 Indikatoren jedoch entwickeln sich in entgegengesetzter Richtung zum erwünschten Zielwert

Von den acht Schlechtwetter-Indikatoren können drei Indikatoren mit Aussicht auf Erfolg durch bürgerschaftliches Engagement beeinflusst werden: Die Erhaltung der Artenvielfalt und der Schutz von Lebensräumen sowie der Rückgang der Adiposität (Fettleibigkeit) von Menschen; auch bei der Gleichstellung von Frauen und Männern spielt Engagement – besonders am Arbeitsplatz – eine bedeutende Rolle. Bei der Gewährleistung nachhaltiger Mobilität durch reduzierte Gütertransportintensität und steigender Binnenschifffahrt wird dies schon schwerer, da die Verantwortung vielmehr bei der Privatwirtschaft und der Verkehrsregulierung liegt. Besonders heikel wird es allerdings bei einem der wichtigsten Nachhaltigkeitsindikatoren im Ressort Generationengerechtigkeit: Der Staatsverschuldung! BürgerInnen fühlen sich in diesem Punkt meist machtlos, weil sie nur an Wahltagen mitmischen, ansonsten lediglich ihren Unmut kundtun und der Dinge harren können, die da kommen.

Klar ist: Wenn Deutschland als angeblicher „Musterschüler“ Europas in puncto Staatsverschuldung im eigenen Indikatorenbericht gnadenlos durchrasselt, ist es kein glaubhaftes Vorbild mehr. Die Indikatoren orientieren sich dabei bereits an den fiskalpolitischen Vereinbarungen im Rahmen des Stabilitäts- und Wachstumspakts und des Fiskalpakts der EU. Letzterer ist noch nicht einmal verabschiedet und wird immer weiter hinausgezögert. Das ist kein gutes Zeichen für die nachhaltige Entwicklung in Deutschland.

Wenn Nachhaltigkeit ernst genommen wird, darf bürgerschaftliches Engagement die Generationengerechtigkeit nie aus den Augen verlieren. Das heißt auch die Politik dazu zu animieren, Gutes mit null Neuverschuldung aber höchster Wirkung zu vollbringen.

Nebenbei: Zwei der drei Indikatoren zur Staatsverschuldung wurden erst dieses Jahr mitaufgenommen. Viele andere Indikatoren wirtschaftlicher Nachhaltigkeit (Bardt 2011) warten indes darauf berücksichtigt zu werden. Dabei sollte wirtschaftliche Nachhaltigkeit in der Trias Wirtschaft-Gesellschaft-Umwelt doch eine gleichberechtigte Rolle spielen!

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