Kohle – ein Baustein der sicheren Energieversorgung Image
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Kohle ist nach Öl und Gas unser drittwichtigster Energieträger, wobei der Anteil der verbrauchten Steinkohle geringfügig größer ist als der der Braunkohle. Kohle wird vornehmlich in der Stromerzeugung und im industriellen Bereich eingesetzt und hat jüngst durch sinkende Preise gegenüber denen für Erdgas wieder stärker an Bedeutung gewonnen.

Die politischen Entwicklungen, überwiegend an den östlichen Grenzen Europas, haben immer wieder die Frage nach einer sicheren Verfügbarkeit von Energierohstoffen aufgeworfen. Sowohl Deutschland als auch die Länder der europäischen Union müssen Energierohstoffe in erheblichem Maße importieren. So besteht bei Mineralölen die höchste Importabhängigkeit für Deutschland mit einem Wert von 96 Prozent. Für Erdgas hat sich der Importanteil von etwa 80 Prozent im Jahr 2002 auf mehr als 85 Prozent erhöht. Der Trend zeigt auch bei festen Brennstoffen nach oben; hier ist der vermehrte Import von Steinkohle maßgeblich. So hat sich die Nettoimportquote alleine in Deutschland von 56 Prozent im Jahr 2002 auf gut 80 Prozent im Jahre 2012 erhöht. Anders als bei Mineralöl verfügt Deutschland zwar über nennenswerte Vorkommen, da aber die deutsche Steinkohleförderung nicht konkurrenzfähig ist, wird sie zunehmend durch billigere Importkohle ersetzt. Insgesamt betrug die Importmenge von Steinkohle nach Deutschland 49 Millionen Tonnen in 2012, 2002 waren es noch 32,6 Millionen Tonnen. Davon entfiel 2012 rund ein Fünftel auf Importe aus den USA. Damit haben sich die Vereinigten Staaten innerhalb von zehn Jahren von einem Importanteil von gerade einmal ein Prozent zu einem der wichtigsten Zulieferländer Deutschlands für Steinkohle entwickelt.

Auch Russlands Anteil an den gesamten Steinkohleimporten hat stark zugenommen, 6 Prozent betrug der Anteil im Jahr 2002, über 20 Prozent waren es in 2012. Kolumbien bleibt mit ca. 17 Prozent ein konstant wichtiger Steinkohlezulieferer für Deutschland. Die drei Länder decken zusammen mehr als die Hälfte der gesamten deutschen Steinkohleimporte ab. Weitere wichtige Lieferländer sind Polen, dessen Anteil aber von 21,1 Prozent in 2002 auf 7,1 Prozent in 2012 stark zurückging, und Australien. Besonders auffällig ist auch der starke Rückgang des Anteils von Südafrika an der Importmenge, das seine Steinkohle preisbedingt stärker in asiatische Märkte lieferte. War es 2002 mit 30,4 Prozent noch das wichtigste Zulieferland für Deutschland, spielen die Importe aus Südafrika mit 4,3 Prozent in 2012 nur noch eine untergeordnete Rolle in der Bezugsstruktur.

Auch die Transportwege sind breit aufgestellt, so dass Versorgungsrisiken minimiert werden. Steinkohle wird zumeist per Schiff, teilweise auch per Schienengüterverkehr, insbesondere aus Russland, Polen und der Ukraine nach Europa transportiert. Die wichtigsten Importhäfen sind Rotterdam sowie Amsterdam und Antwerpen (ARA-Häfen). So erhält Deutschland etwa 50 Prozent der Steinkohleimporte über die ARA-Häfen, 30 Prozent über eigene Häfen (Hamburg, Nordenham, Kiel, Rostock und Wilhelmshaven) und 20 Prozent per Schienenverkehr.

Traditionell wurde Kohle in heimischer Produktion und nah am Ort des Verbrauchs gewonnen. Vor dem Hintergrund steigender Förderkosten heimischer Steinkohlevorkommen und sinkenden Transportkosten hat der internationale Handel mit Steinkohle zugenommen. Mittlerweile ist der maritime Steinkohlemarkt gut integriert und von starkem Wettbewerb geprägt. Nachfragegetrieben sind in den vergangen Jahren sogar Überkapazitäten entstanden worden. Dies wird durch zunehmende Exporte der USA verstärkt, deren Steinkohle aufgrund der extensiven Schiefergas- und Ölförderung zunehmend dem Weltmarkt zur Verfügung steht. Importierte Steinkohle und heimische Braunkohle stellen damit einen Beitrag zur Sicherheit der Energieversorgung in Deutschland dar.

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20. Juni 2017

Interview mit Tobias Paulun „Mit einem liquiden Markt sollte man nicht spielen“Arrow

Damit die EU eines Tages eine Energieunion mit grenzüberschreitendem Handel und einer gemeinsamen Energiepolitik wird, hat die EU-Kommission in ihrem neuen „Strommarktdesign“ unter anderem vorgeschlagen, die Preiszonen im Strommarkt neu zu definieren. Was die European Energy Exchange (EEX) davon hält, erläutert Tobias Paulun, Mitglied des EEX-Vorstands, im iwd. Zunächst aber erklärt er, was die Energiebörse in Leipzig überhaupt macht. mehr auf iwd.de

19. Juni 2017

Sandra Parthie / Thilo Schaefer Auf dem Weg in die EnergieunionArrow

Die EU-Kommission will den europäischen Energiebinnenmarkt voranbringen und hat deshalb ein neues Konzept für den Strommarkt vorgeschlagen. Dazu sollen unter anderem die grenzüberschreitende Zusammenarbeit aus- und Staatseingriffe abgebaut werden. Um die Investitionen in weitere Netze und Erzeugungskapazitäten anzuregen, ist zudem ein neuer Zuschnitt der sogenannten Strompreiszonen in der Diskussion – ein Plan, der in Deutschland auf Widerspruch stößt. mehr auf iwd.de