Energie(wende) braucht Wettbewerb! Image
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Die Energiewende in Deutschland scheint Konsens. Bis zur Mitte des Jahrhunderts soll die Energieversorgung zum Großteil auf CO2-arme und insbesondere erneuerbare Energien umgestellt werden. Das Vorhaben ist nicht neu, denn schon seit mehr als 20 Jahren wird die Erzeugung aus erneuerbaren Energien subventioniert – mit steigender Tendenz. So konnte der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen an der Bruttostromerzeugung auf 20 Prozent gesteigert werden. Doch diese Entwicklung hat ihren Preis.

Die Subventionierung mittels EEG-Umlage stieg fing moderat an: Von 2000 bis 2009 stieg die Umlage kontinuierlich von 0,2 Cent auf 1,3 Cent je KW/h. Danach ging es dramatisch weiter. 2010 erhöhte sich die Umlage um 2,05 Cent, 2011 um 3,53 Cent und dieses Jahr um 3,592 Cent. Darunter leiden vor allem Haushalte mit geringem Einkommen. Bei den einkommensschwächsten Haushalten fließt inzwischen fast 1 Prozent des verfügbaren Einkommens in die EEG-Umlage, bei Haushalten mit den höchsten Einkommen gerade einmal 0,1 Prozent. Die EEG-Umlage wirkt somit regressiv. Auch deshalb müssen die Kosten der Energiewende minimiert werden.

Doch dies wird mit dem bestehenden System nicht funktionieren. Denn die technologiespezifische Förderung durch EEG verhindert systematisch Wettbewerb zwischen den einzelnen, erneuerbaren Energieformen. Das führt zu dem absurden Ergebnis, das Deutschland bei den Photovoltaikkapazitäten weltweit spitze ist. Der Standort ist durch den mangelnden Wettbewerb zweitrangig. Was bei der Investitionsentscheidung zählt ist der zu erwartende Fördersatz.

Wenn es gelingen soll, die Stromproduktion aus erneuerbaren auf 80 Prozent zu steigern, brauchen wir ein System, was die Kräfte des Wettbewerbs nutzt, statt sie zu unterbinden. Ein richtig ausgestaltetes europäisches Quotensystem wäre ein möglicher, marktwirtschaftlicher Rahmen. Wettbewerb schafft die Voraussetzung, dass die Energiewende effizient und ohne überhöhte Kosten gelingen kann und alle Einkommensschichten nicht unnötig belastet.

Zum Beitrag im ÖkonomenBlog

Studie für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft

Hubertus Bardt / Judith Niehues / Holger Techert: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz – Erfahrungen und Ausblick
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20. Juni 2017

Interview mit Tobias Paulun „Mit einem liquiden Markt sollte man nicht spielen“Arrow

Damit die EU eines Tages eine Energieunion mit grenzüberschreitendem Handel und einer gemeinsamen Energiepolitik wird, hat die EU-Kommission in ihrem neuen „Strommarktdesign“ unter anderem vorgeschlagen, die Preiszonen im Strommarkt neu zu definieren. Was die European Energy Exchange (EEX) davon hält, erläutert Tobias Paulun, Mitglied des EEX-Vorstands, im iwd. Zunächst aber erklärt er, was die Energiebörse in Leipzig überhaupt macht. mehr auf iwd.de

19. Juni 2017

Sandra Parthie / Thilo Schaefer Auf dem Weg in die EnergieunionArrow

Die EU-Kommission will den europäischen Energiebinnenmarkt voranbringen und hat deshalb ein neues Konzept für den Strommarkt vorgeschlagen. Dazu sollen unter anderem die grenzüberschreitende Zusammenarbeit aus- und Staatseingriffe abgebaut werden. Um die Investitionen in weitere Netze und Erzeugungskapazitäten anzuregen, ist zudem ein neuer Zuschnitt der sogenannten Strompreiszonen in der Diskussion – ein Plan, der in Deutschland auf Widerspruch stößt. mehr auf iwd.de