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Die Frage nach der adäquaten Schuldauer bis zur Erlangung der allgemeinen Hochschulreife war bereits früher Gegenstand von kontroversen bildungspolitischen Diskursen. In der DDR konnte das Abitur nach zwölf Jahren (G8) erlangt werden, während in Westdeutschland 13 Schuljahre (G9) die Regel waren. Nach der Wende wurde die Schulzeit in den meisten neuen Bundesländern zunächst an den westdeutschen Standard angepasst; in Sachsen und Thüringen wurde das Abitur nach zwölf Jahren beibehalten.

Zwischen den Jahren 2001 und 2006 wurde dann mit Ausnahme Rheinland-Pfalz in allen anderen Ländern flächendeckend an Gymnasien auf G8 umgestellt. Die Einführung von G8 stieß auf teilweise erhebliche Kritik seitens der unmittelbar betroffenen schulischen Akteure (Lehrer, Schüler, Eltern) sowie seitens deren Interessensvertretungen (Lehrerverbände, Elterninitiativen). Aktuell wurde in einzelnen Ländern die Schuldauer wiederum geändert und eine Rückkehr zu G9 oder Wahloptionen beschlossen. Die Schullandschaft gleicht seitdem einem unüberschaubaren Flickenteppich.

Ein Blick auf empirische Untersuchungen zu den Auswirkungen von G8 auf die Bildungsergebnisse zeigt, dass die Befürchtungen, die Bildungsqualität leide unter G8, nicht gestützt werden können. Es können weder eindeutig positive noch negative Effekte festgestellt werden. So zeigen sich bei den Prüfungen, in denen G8 und G9-Schüler zeitgleich in einem Bundesland ihr Abitur ablegen, keine relevanten Unterschiede bei den Durchschnittsnoten – in Baden-Württemberg oder Brandenburg schneiden die G9-Schüler minimal bes-ser ab, in den Ländern Bayern oder Nordrhein-Westfalen hingegen erreichen die Schüler des G8-Jahrgangs etwas bessere Durchschnittsnoten im Abitur. Eine wissenschaftlich aussagekräftige Evaluierung über den späteren Bildungserfolg in Lehre und Studium fehlt für eine abschließende Bewertung jedoch noch.

Die Einführung von G8 bedeutet eine Verkürzung der Gymnasialzeit um ein Jahr bei gleichzeitiger Beibehaltung der mindestens 265 erforderlichen Jahreswochenstunden Unterricht bis zum Abitur. Rein rechnerisch entspricht dies einer durchschnittlichen Verlängerung des Unterrichts von gut 29 auf 33 Stunden pro Woche. Aus der höheren Anzahl an Wochenstunden und den damit verbundenen längeren Schultagen wird in der öffentlichen Diskussion abgeleitet, dass an G8-Gymnasien ein besonders starker Zeit- und Leistungsdruck herrsche, Freizeitaktivitäten nicht mehr möglich seien und die Lebenszufriedenheit der Schüler sinke. Empirische Untersuchungen auf Basis des sozioökonomischen Panels zeigen jedoch, dass sich die Teilnahme an Sport, Musik, Tanz und Ehrenamt zwischen G8- und sonstigen Gymnasiasten nicht unterscheidet. Eine Verringerung ist vor allem bei informellen Freizeitbeschäftigungen (Fernsehen, Computerspielen, „Abhängen“, Zeit mit Freunden) festzustellen. Bei der Befragung zur Lebenszufriedenheit ergeben sich keine Unterschiede zwischen G8- und G9-Schülern.

Ein Grund für die Kritik an G8 könnte in einigen Bundesländern in Schwierigkeiten bei der Umsetzung zu vermuten sein. In der Einführungsphase wurden etwa fehlende oder unzureichend überarbeitete Lehrpläne und Schulbücher und nicht zuletzt auch unzureichende Verpflegungsmöglichkeiten für die langen Schultage bemängelt. Ein erfolgsversprechender Weg für die Umsetzung von G8 ist daher die Gestaltung des Gymnasiums als Ganztagsschule. Auffällig ist, dass die Kontroverse um G8 nicht in allen Bundesländern gleich stark ausgeprägt ist. So sind etwa aus Sachsen wenig Klagen zu vernehmen, Einführungsprobleme bestanden nicht und Ganztagsgymnasien sind die Regel. Von Kritikern der G8-Reform bleibt häufig auch unbeachtet, dass es in allen Bundesländern Möglichkeiten gibt, außerhalb der G8-Gymnasien das Abitur in 13 Jahren zu machen. So bieten – abhängig vom Bundesland – etwa die Gesamtschulen oder beruflichen Schulen die Möglichkeit an, das Abitur nach dreizehn Jahren abzulegen.

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